Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) stellt das Lagebild Clan-Kriminalität vor Foto: picture alliance
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Lagebild des Innenministeriums

Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen nimmt zu

DÜSSELDORF. Die Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat im vergangenen Jahr zugenommen. Im Vergleich zu 2018 verzeichneten die Sicherheitsbehörden eine Zunahme von 12,7 Prozent an Straftaten und 13,4 Prozent Tatverdächtigen, wie aus dem Lagebild Clan-Kriminalität des Innenministeriums hervorgeht. „Wir haben es hier mit Kriminellen und Schwerkriminellen zu tun. Es geht unter anderem um Raub, Betrug und Organisierte Kriminalität“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU).

Die Ermittlungen hätten ergeben, daß es in dem Bundesland im vergangenen Jahr 111 aktive Clans mit rund 3.800 Mitgliedern gegeben habe. „Ein Teil der Clans spielt in der gleichen Liga wie die Mafia“, resümierte Reul.

Die meisten Tatverdächtigen aus dem Clan-Milieu haben laut der Auswertung des Innenministeriums eine deutsche Staatsbürgerschaft (51,1 Prozent). Unter den ausländischen Verdächtigen stellten Libanesen mit 16,9 Prozent vor Türken (12,4 Prozent) und Syrern (12,2 Prozent) die größte Gruppe.

Polizei stellt Heroin und Kokain sicher

Die sogenannten Rohheitsdelikte stellten demnach mit 32 Prozent den Großteil der Straftaten, die von den kriminellen Großfamilien begangen werden. Dazu zählen Körperverletzungen, Bedrohungen, Nötigung und versuchte Tötungen. Außerdem fielen Clan-Mitglieder durch Betrugsdelikte (15 Prozent) und Verkehrsstraftaten (14 Prozent) auf. Gerade letztere bewiesen, „wie wenig sich diese Leute um die grundlegenden Regeln der Gesellschaft scheren“, betonte Reul.

Im vergangenen Jahr führten das Landeskriminalamt (LKA) und die Kreispolizeibehörden NRW 73 Ermittlungsverfahren gegen Clans. Dabei standen türkisch-arabische Großfamilien in 15 Fällen im Zentrum. Im Verlauf der Ermittlungen wurden demnach 478 Tatverdächtige ermittelt. Dabei seien zudem drei Kilogramm Heroin und knapp fünf Kilo Kokain sichergestellt worden.

Clans breiten sich aus

Mit 770 Straftaten, die Clans zugeordnet werden, liegt die Ruhrgebietsstadt Essen an der Spitze der Statistik. Weitere Schwerpunkte sind Recklinghausen (471) und Gelsenkirchen (412).

2018 waren die Sicherheitsbehörden in NRW noch von 50 kriminellen Clans an Rhein und Ruhr ausgegangen. Im vergangenen Sommer revidierten sie diese Einschätzung als sie erstmals ein Lagebild zu dem Phänomen veröffentlichten. Die Großfamilien konzentrierten sich nicht mehr nur auf die Großstädte, sondern breiteten sich auch im ländlichen Raum aus. (ag)

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