Berlin
Brandenburger Tor: Das zerstörte Berlin im Mai 1945 Foto: picture alliance/akg-images
Literaturtipps zum Kriegsende

Besiegt, besetzt, befreit

Das Kriegsende in Deutschland jährt sich zum 75. Mal und vielerorts wird der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ gefeiert. Und in der Tat bedeutete für viele der Zusammenbruch des Dritten Reiches eine Befreiung: für die Häftlinge in den Konzentrationslagern, für die Zwangsarbeiter, für russische, britische, amerikanische und französische Kriegsgefangene, für Exilanten.

Doch bei aller Freude über das Kriegsende gerät häufig in Vergessenheit, daß für viele Deutsche das Sterben und Leiden mit dem Schweigen der Waffen noch nicht endete. Vertreibung, Vergewaltigung, Plünderungen, Raub, Rache und Willkür gehörten ebenfalls zu den Folgen der vollständigen Niederlage und bedingungslosen Kapitulation. Die Siegermächte waren nicht mit dem Ziel nach Deutschland gekommen, um es zu befreien, sondern um es zu besetzen. Deutschland war nicht ihr Freund, sondern Feind gewesen.

„Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern“

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker formulierte es in seiner berühmten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Deutschland so: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten.“

Und auch wenn seine Ansprache heute gern auf die Formulierung vom „Tag der Befreiung“ reduziert wird, so mahnte von Weizsäcker in seiner Rede damals jedoch auch: „Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern.“

Für alle, die sich ein vollständiges Bild vom Kriegsende in Deutschland und seinen Folgen machen wollen, hat die JF einige Literatur- und Filmempfehlungen zusammengestellt, die Sie in unserem Buchdienst bestellen können.

 

Miriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt

Alle vier Besatzungsarmeen verübten Verbrechen an deutschen Frauen. Die Opfer rangen ein Leben lang mit seelischen Problemen, und Kinder, die aus Vergewaltigungen hervorgingen, wurden mit einer Erbschuld geboren. Manche Familienschicksale sind noch immer nicht überwunden. >>

 

 

 

 

 

Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen

Nicht nur die Russen, sondern auch die Soldaten der westlichen Alliierten vergewaltigten zahllose deutsche Frauen und Mädchen. Anhand neuer Quellen belegt Miriam Gebhardt das Ausmaß sexueller Gewalt bei Kriegsende und schildert Behördenwillkür, Verdrängen und Verschweigen. >>

 

 

 

 

 

Florian Huber: Kind, versprich mir, daß du dich erschießt

1945 brandete eine ungeheure Selbstmordwelle durch Deutschland. Warum nahmen sich Tausende Menschen angesichts der Befreiung vom Dritten Reich das Leben? Der Historiker Florian Huber erzählt vom größten Massenselbstmord der deutschen Geschichte und von seiner Verdrängung. >>

 

 

 

 

 

 

DVD: Töten auf Tschechisch

Drei Millionen Sudetendeutsche werden am Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben. Hass und Rachegefühle der Tschechen gegenüber den Deutschen entladen sich – egal, ob sie mit den Nazis kooperiert hatten oder nicht. 20.000 bis 30.000 Menschen werden bestialisch ermordet. Manche Historiker sprechen sogar von über 200.000.

Diese DVD mit Filmmaterial von damals zeigt die Massaker im Nachkriegs-Tschechien. Die Aufnahmen belegen erstmals, was Augenzeugen und Historiker seit Jahrzehnten behaupten und nie mit Bewegtbildern beweisen konnten: Tschechen erschossen damals, in den Tagen nach der Kapitulation, gezielt deutsche Zivilisten auf offener Straße, nachdem sie sie wie Vieh zusammengetrieben hatten. >>

 

 

Hubertus Knabe: Tag der Befreiung?

Keine Frage, das Ende des verbrecherischen NS-Regimes war für Europa eine Befreiung.Aber die Hälfte Europas und eben auch die Hälfte Deutschlands kam vom Regen in die Traufe: Auf die nationalsozialistische Gewaltherrschaft folgte die kommunistische Diktatur.Hubertus Knabe ruft diese oft vernachlässigte Seite des Kriegsendes und das damit verbundene Leid der deutschen Bevölkerung eindringlich in Erinnerung. >>

 

 

 

 

Christopher Spatz: Heimatlos

Dieses Buch ist eine Reise in die 1950er und 1960er Jahre. Viele Aufnahmen des Fotografen Fritz Paul bieten unerwartete Blicke auf die Vertriebenen, Zivilverschleppten, Kriegsgefangenen und Aussiedler. Ohne deren Traumatisierung ist das heutige Deutschland nicht zu verstehen. >>

 

 

 

 

 

Volker Koop: Das Recht der Sieger

Sieger haben immer Recht. Am Beispiel der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte läßt sich exemplarisch die schmerzhafte Wandlung der Sieger zu Besatzern oder Beschützern nachzeichnen. Wenn sich auch mit Kriegsende die Teilung in eine westliche und eine östliche Einflusssphäre abzeichnete: Absurdistan war überall. >>

 

 

 

 

 

Ingo von Münch: Frau, komm!

Zwei Millionen deutsche Frauen und Mädchen wurden 1944/45 von sowjetischen Soldaten mißbraucht. Ingo von Münch, emerit. Prof. für Staats- und Völkerrecht sowie von 1987-1991 Zweiter Bürgermeister von Hamburg, stellt dieses lange verschwiegene Kriegsverbrechen ausführlich dar. >>

 

 

 

 

 

Ingeborg Jacobs: Freiwild

Deutsche Frauen waren 1945 Freiwild der russischen Soldaten. Zwei Millionen wurden vergewaltigt; viele starben an den Folgen. Die Überlebenden waren traumatisiert und stigmatisiert. Die TV-Journalistin Ingeborg Jacobs hat zahlreiche Interviews mit betroffenen Frauen geführt. >>

 

 

 

 

 

Brigitte Neary: Frauen und Vertreibung

Frauen erinnern sich an ihren Leidensweg zu Kriegsende: Es ist der radikal subjektive Ansatz dieser „Oral-History“, mit der die Herausgeberin in den USA so große Resonanz erzielte. Die gebürtige Deutsche Brigitte Neary läßt Frauen aus Schlesien und Ostpreußen, Rußlanddeutsche, Donauschwäbinnen und viele andere zu Wort kommen. >>

 

 

 

 

Anonyma: Eine Frau in Berlin

Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945

Wer erfahren will, wie es wirklich war, wird sich an die Frauen halten müssen. Denn die Männer haben sich in den Ruinen als „das schwächere Geschlecht“ gezeigt. So sieht es die Autorin dieses Buches, die das Ende des Krieges in Berlin erlebt hat. Ihre Aufzeichnungen sind frei von jeder Selbstzensur. Niemand, der dieses Buch liest, wird es vergessen. >>

 

 

 

DVD: Anonyma: Eine Frau in Berlin

Der Film erzählt die Geschichte von Anonyma, einer Frau, die bis zu ihrem Tod anonym geblieben ist. Es sind ihre eigenen Aufzeichnungen im Berlin nach der deutschen Kapitulation im Frühjahr 1945. Der Krieg ist längst verloren, die Bombardements der Engländer und Amerikaner aus der Luft werden abgelöst von der Eroberung der Stadt am Boden. Straßenzug für Straßenzug arbeiten sich die russischen Truppen vor und lassen die deutsche Bevölkerung ihren Haß spüren. Um zu überleben, arrangiert sich Anonyma mit den Besatzern, denen sie und ihre Mitbewohner in ihrem Mietshaus hilflos ausgeliefert sind. Für sie, ebenso wie für viele andere Frauen, beginnt eine Zeit voller Demütigungen, Grausamkeiten und Vergewaltigungen.

Der Film bebildert ein emotionales und ergreifendes Stück Geschichte, über das lange geschwiegen wurde. Er porträtiert eine Frau jener Zeit, die den Mut hatte, für viele zu sprechen, die das gleiche Schicksal ereilte. >>

 

James Bacque: Verschwiegene Schuld

Schuld, die den Deutschen angelastet wird, ist in den Medien allgegenwärtig. Schuld, die hingegen die Alliierten des Zweiten Weltkrieges betrifft, wird verschwiegen. Es ist das Verdienst des Kanadiers James Bacque, dieses Schweigen gebrochen und der Welt gezeigt zu haben, in welchem Ausmaß auch Deutsche im Zweiten Weltkrieg und danach Opfer waren. >>

 

 

 

 

James Bacques: Der geplante Tod

Dieses erschütternde Buch war bei seinem Ersterscheinen 1989 eine Sensation: Nach gründlicher Recherche konnte James Bacque nachweisen, daß nahezu eine Million Deutsche in den Kriegsgefangenenlagern der Amerikaner und Franzosen umgekommen waren. Eine gezielte, von Eisenhower zu verantwortende Politik. >>

 

 

 

 

 

Wolfgang Gückelhorn, Kurt Kleemann: Die Rheinwiesenlager 1945 in Remagen und Sinzig

Um die berüchtigten Rheinwiesenlager ranken sich Legenden: Wieviele Soldaten haben ihr Leben hinter dem Stacheldraht verloren? Eine Million oder »nur« Zehntausende? Ließ man sie absichtlich verhungern? Die Autoren haben Zeitzeugen befragt und unveröffentlichtes Archivmaterial ausgewertet. >>

 

 

 

 

 

Heinz Nawratil: Die deutschen Nachkriegsverluste

Auch wenn man die Gefangenenverluste nicht einbezieht so bleibt doch mit Sicherheit eine Gesamtzahl von 3,2 bis 3,3 Millionen Verlusten, die vor allem die Deutschen im Osten, diesseits und jenseits der Reichsgrenzen von 1937, erlitten haben. Nawratils Buch trägt durch seine sachliche Art dazu bei, daß diese Opfer nicht einfach aus dem Bewußtsein verdrängt werden. >>

 

 

 

 

Heinz Nawratil: Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948

Das Schicksal der Vertriebenen und Flüchtlinge kann nicht als die deutsche Version von „Vom Winde verweht” dargestellt werden. Gemessen an seiner Bedeutung steht dahinter die größte Völkervertreibung der Menschheitsgeschichte. Dem Autor dieses Standardwerks ist es gelungen, den historischen Tatbestand jener apokalyptischen Ereignisse herauszuarbeiten und zu dokumentieren. Er untersucht die Motive der damaligen Täter und die Gründe der Tabuisierung des Themas bis zum heutigen Tag. >>

 

 

 

 

R. M. Douglas: Ordnungsgemäße Überführung

Wie es wirklich war – die große Gesamtdarstellung der deutschen Vertreibung. Eine Darstellung, die das Leid der Vertriebenen, die Greueltaten an Deutschen und das moralische Versagen der Alliierten thematisiert, ohne in den Verdacht der Einseitigkeit zu geraten. >>

 

 

 

 

 

Vertreibung und Vertreibungsverbrechen

Der abschließende Bericht der im Bundesarchiv in Koblenz erarbeiteten Dokumentation über Verbrechen, die an Deutschen im Zuge der Vertreibung begangen worden sind. Bis 1982 wurde er von der damaligen SPD/FDP-Bundesregierung aus politischen Gründen unter Verschluß gehalten. >>

 

 

 

 

 

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Brandenburger Tor: Das zerstörte Berlin im Mai 1945 Foto: picture alliance/akg-images

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