Vorbildhaft

Tagebucheintragung am 28. April: Rübeland im Harz: Stellungswechsel nach erfolgreichem Beschuß feindlicher Panzerbereitstellung – Tieffliegerangriff – Leichte Splitterverletzung am Oberam – passabler Notverband – Absatzbewegung in ein das Tal beherrschendes Waldstück. 29. April: Amerikanische Panzer im Anmarsch, Aufforderung, per Lautsprecher, den Wald waffenlos zu verlassen, wird mangels schwerer oder anderer panzerbrechender Waffen bei feindlicher Lufthoheit nachgekommen. So endet für mich der Krieg nach Entlausung und warmer Verpflegung – gemeinsam mit etwa 2.000 anderen Soldaten – in einem provisorisch eingerichteten und kaum gesicherten Auffanglager in Helfta. Bei der fairen und stets um Ordnung bemühten Haltung der Amerikaner ist die Stimmung mehr optimistisch denn depressiv, getragen von persönlicher Dankbarkeit, in einem amerikanischen Lager das Kriegsende zu erleben anstatt unter der Härte von Sowjet-Soldaten. 2. Mai: Der Arm ist stark angeschwollen – Diagnose hochgradige Blutvergiftung. Die Amerikaner bringen mich in das noch von deutschen Ärzten und Personal versorgte Lazarett in der Universitätsklinik Göttingen. Dank amerikanischer Penicillin-Injektionen galt ich bereits am 8. Mai als geheilt. Gemeinsam mit amerikanischen und deutschen Ärzten gratulierten wir uns gegenseitig zum Kriegsende, in trauerndem Gedenken an die damals in ihren Zahlen kaum schätzbaren Verluste bei allen Beteiligten. Meldungen über den Tod und Ergeben der Potentaten des Dritten Reiches tangierten erst sekundär und mit Befriedigung. Uns signalisierte man baldige Entlassung, um dann mit amerikanischen Initiativen Deutschland wieder aufzubauen. Die überraschend positiven Begegnungen der ersten drei Wochen mit den amerikanischen Siegern ließen mich freudig an eine gemeinsame Zukunft denken. Jürgen Michels, Starnberg

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