Joachim Kuhs

 

Rivalitätskampf zweier Ordnungsmächte

Am 18. April jährt sich zum 140. Mal der Tag des Sturmes auf die Düppeler Schanzen, der Entscheidungsschlacht des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864. Hintergrund dieses Krieges war die komplizierte staatsrechtliche Situation der beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein, die seit 1460 mit der dänischen Krone in Personalunion verbunden waren. Dabei gehörte das deutsch bevölkerte Holstein zum Deutschen Bund, und der dänische König war als Herzog von Holstein deutscher Bundesfürst. Schleswig hingegen mit einer nach Norden hin stärker werdenden dänischen Bevölkerungsminderheit gehörte nicht zum Deutschen Bund, sondern war schon seit dem Mittelalter dänisches Lehen. Gleichwohl pflegten die Herzogtümer eine enge Verbindung und waren stets gemeinsam regiert worden. So hatte auch der dänische König Christian I. den schleswig-holsteinischen Ständen, als diese ihn zum Herzog beider Landesteile wählten, schon 1460 zugesichert, daß die Lande – obwohl unterschiedliche Lehen – „auf ewig ungeteilt“ bleiben sollten. Dänemarks Vorgehen brach das Londoner Protokoll Im Jahre 1863 legte die nationalliberale dänische Regierung Hall den Entwurf einer Verfassung vor, die sowohl in Dänemark als auch im Herzogtum Schleswig, nicht aber im deutschen Holstein gelten sollte. Dies hätte die einseitige Einbeziehung Schleswigs in den dänischen Staat unter gleichzeitiger Trennung von Holstein bedeutet. Dieses Vorgehen widersprach völkerrechtlichen Verpflichtungen, die Dänemark nach dem Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848-1850 in den Londoner Protokollen von 1850 und 1852 gegenüber den europäischen Großmächten – darunter auch Preußen und Österreich – eingegangen war. Als die neue Verfassung im November 1863 in Kopenhagen verabschiedet und von König Christian IX. unterschrieben worden war, kam es zum militärischen Vorgehen des Deutschen Bundes gegen Dänemark. Ende Dezember 1863 rückten sächsische, hannoversche, preußische und österreichische Truppen in Holstein ein, das von den Dänen geräumt wurde, und erreichten Anfang Januar 1864 die Eidergrenze zwischen Holstein und Schleswig. Nachdem der Deutsche Bund am 14. Januar 1864 ein weiteres Vorrücken nach Schleswig abgelehnt hatte, beschlossen Preußen und Österreich, Schleswig auch ohne Mandat des Bundes zu besetzen, um so Dänemark zur Einhaltung der 1852 übernommenen Verpflichtungen zu zwingen. Nachdem ein preußisch-österreichisches Ultimatum am 16. Januar von Dänemark abgelehnt worden war, war der Krieg unvermeidlich. Am 1. Februar 1864 marschierten preußische und österreichische Truppen mit einer Gesamtstärke von 61.000 Mann nach Schleswig ein, wo sich die dänische Armee mit einer Stärke von 44.000 Mann hinter den Feldbefestigungen des historischen Danewerks zur frontalen Verteidigung verschanzt hatte. Angesichts des naßkalten Winterwetters war diese Feldbefestigung aber nicht zu halten und wurde bis zum 6. Februar 1864 von den Dänen geräumt. Zur weiteren Verteidigung besetzte das Gros der dänischen Armee die auf der Halbinsel Sundewitt ausgebauten Befestigungen bei Düppel, in der Absicht, von hier aus den weiteren Vormarsch der Preußen und Österreicher nach Norden aus der Flanke heraus zu bedrohen und zugleich den Übergang über den schmalen Sund zur Insel Alsen zu sperren. Der kleinere Teil der dänischen Armee zog sich weiter nach Norden zurück, um im Raum zwischen Kolding und Vejle Verteidigungsstellungen zu beziehen. Die dortige Festung Fredericia sah eine weitere Flankenstellung vor, die zugleich den Übergang nach Fünen decken sollte. Die Stellungen bei Düppel, die die dänische Armee ab dem 7. Februar besetzte, bestanden aus zehn Erdschanzen, die in einem drei Kilometer langen Bogen vom Alsensund bis zur Bucht von Vemmingbund angelegt worden waren. Den Rest des Februars und bis in den März hinein arbeiteten die dänischen Truppen an der Verstärkung der Schanzen, um Laufgräben zu schaffen, und an der Errichtung von Hindernissen zwischen den Schanzen. Währenddessen schloß das 1. preußische Armeekorps am 12. Februar die Düppelstellung auf Sundewitt ein und drängte die dänischen Vorposten in einer Reihe von Gefechten bis Mitte März bis kurz vor Düppel mit den eigentlichen Befestigungen zurück. Zugleich besetzten die übrigen preußischen und österreichischen Kräfte Nordschleswig bis zur dänischen Grenze. Ab dem 8. März stießen die Verbündeten weiter vor, riegelten die Festung Fredericia ab, nahmen die Stadt Vejle ein und erreichten die Städte Horsens und Skanderborg, während sich die Dänen weiter nach Norden zurückzogen. Ab dem 15. März begann der Beschuß der Düppelstellung mit schwerer Belagerungsartillerie. Ein dänischer Ausfall am 16. März wurde zurückgeschlagen und die Dänen über ihre Ausgangslinien auf die eigentlichen Befestigungen zurückgeworfen. Die Beschießung wurde ab dem 2. April erheblich intensiviert, so daß die Dänen ab dem 9. April mit den Ausbesserungsarbeiten an den Schanzen nicht mehr mithalten konnten und die Verteidigungsfähigkeit der Stellungen immer geringer wurde. Parallel hierzu gruben preußische Pioniere und Infanteristen Laufgräben bis auf etwa 250 Meter an die dänischen Schanzen heran, aus denen der Angriff erfolgen sollte. Der Sturm auf die Düppeler Schanzen begann am 18. April 1864 mit einem sechsstündigen Artilleriebombardement von großer Intensität. Als dieses um 10 Uhr verstummte, erhoben sich die preußischen Sturmkolonnen und gingen gegen die von immer noch 5.000 dänischen Soldaten besetzten Schanzen vor, die bis 12 Uhr sämtlich in preußischer Hand waren. Danach kam es zu Kämpfen mit dänischen Kräften von etwa weiteren 6.000 Mann aus Reservestellungen hinter den Schanzen und der befestigten Brückenkopfstellung, von der aus zwei Pontonbrücken über den Alsensund nach Sonderburg führten. Um 13.30 Uhr gelang es den ersten preußischen Truppen, in diese Brückenkopfstellung einzudringen, die gegen 16 Uhr von den letzten dänischen Truppen unter Zerstörung der Pontonbrücken geräumt wurde. Am Abend dieses Tages hatten die Dänen mehr als 4.800 Soldaten verloren. Die preußischen Verluste betrugen 1.201 Mann, darunter 263 Gefallene. Nach dem Verlust von Düppel räumten die Dänen am 28. April kampflos die Festung Fredericia, die österreichische Truppen besetzten. Erst der Regierungswechsel brachte den Frieden Am 20. April 1864 hatten in London Verhandlungen begonnen, die zu einem Waffenstillstand ab dem 12. Mai 1864 führten. Die weiteren Verhandlungen scheiterten aber vor allem an der Unnachgiebigkeit Dänemarks, so daß am 26. Juni 1864 die Kampfhandlungen wieder aufgenommen wurden. Schon drei Tage später setzten preußische Truppen von Düppel nach Alsen über und eroberten die Insel. Bis Mitte Juli besetzten die verbündeten Österreicher und Preußen das nördliche Jütland bis Skagen. Zwischen dem 13. und dem 15. Juli 1864 besetzten österreichische Truppen auch die nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Romo und Fano. In Kopenhagen kam es nun zu einem Regierungswechsel. Am 20. Juli 1864 trat ein neuer Waffenstillstand in Kraft, der in Friedensverhandlungen einmündete. Im Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 trat der dänische König schließlich die Herzogtümer Schleswig und Holstein an Preußen und Österreich ab. Bild: Preußische Truppen erstürmen die Düppeler Schanzen am 18. April 1864: Schlüsselstellung erobert

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