Chronische Krankheit wie andere auch

Vom 27. Februar bis 1. März fand in Berlin der 26. Deutsche Krebskongreß statt. In der Evangelischen Akademie am Gendarmenmarkt gibt es am 5. und 6. März eine Tagung über den „individuellen und gesellschaftlichen Umgang“ damit. Zu den „erfundenen Krankheiten“ (Jörg Blech) gehört Krebs nicht. Die Echtheit zeigt sich in diesem Fall unbestreitbar darin, daß ein Gutteil der Patienten stirbt – immer noch, wenn auch nicht so viele, wie man denkt. Etwa jeder Dritte wird wieder gesund. Der diesjährige Krebskongreß bringt einen gewissen Paradigmenwechsel. Lange Zeit hat man gehofft, eines Tages „das Mittel“ zu finden, das den bösen Krebs in eine harmlose Tierart wie etwa die Kopflaus verwandeln würde. Das ist nicht passiert und wird so bald auch nicht passieren. Denn es handelt sich im weitesten Sinne um eine Erbkrankheit. Das heißt, Krebs kommt nicht von außen in den Menschen hineingekrochen, sondern entsteht im Inneren der Zelle, wenn mutierte Exemplare nicht mehr rechtzeitig von der Genpolizei beseitigt werden, sondern sich unkontrolliert vermehren. Weshalb allerdings die „Kriminalitätsbekämpfung“ nicht klappt, liegt großenteils noch im Dunkel. Wichtigster Grund ist das Alter des Patienten, daher nimmt die Zahl der Krebskranken ständig zu, obwohl die Krankheit bei Unter-Siebzigjährigen nicht häufiger geworden ist. Diese Tatsache schließt Umweltgründe weitgehend aus, abgesehen vom Rauch, der eher ein traditionelles Umweltgift ist. Bis hin zu Streß und Frustration könnte also alles mögliche daran schuld sein, wenn die Leber-, Darm- oder Blutzellen plötzlich nicht mehr gehorchen. Wahrscheinlich hat es nicht zuletzt mit der ursprünglichen Erbsubstanz zu tun. Das heißt, in der DNA gibt es schon von Geburt an Schwachstellen, und irgendwann versagt dann der Mechanismus. Insgesamt scheint sich die Krebsbekämpfung auf eine Optimierung vorhandener Behandlungsmethoden, eine bessere Kommunikation aller Beteiligten und Verbreitung gewonnener Erkenntnisse zu verlegen. Der Aktivismus hat also auch etwas von Resignation. In diese Atmosphäre schallt die Nachricht von einem „Impfstoff gegen Krebs“ hinein. Das Hannoveraner Biotech-Unternehmen Liponova hat ein Verfahren entwickelt und erstmals in einer klinischen Studie bewährt, bei dem abgetötete Tumorzellen gespritzt und dadurch das Immunsystem so verstärkt wird, daß erheblich seltener die meist tödlichen Metastasen gebildet werden. Die Zulassung des Medikaments, das nachweislich die Tumorzellen im Blut verringert, wird im kommenden Jahr erfolgen. Eine tolle Nachricht? Sicher, aber von einer „Impfung“ großer Populationen als sichere Vorbeugung wie bei Pocken oder Kinderlähmung kann hier nicht die Rede sein. Die Behandlung verstärkt die Wirkung der Chemotherapie – überflüssig macht sie sie nicht.

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