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In den Dauerkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern scheint – nach den ersten Mißerfolgen der Bush-Administration auf diesem verminten Gelände – nun neue Bewegung gekommen zu sein. UN-Generalsekretär Kofi Annan griff letzte Woche einen alten Vorschlag auf: die Entsendung einer Uno-Friedenstruppe in den Nahen Osten, um die Streitparteien voneinander zu trennen und eine Pufferzone zu bilden. Aus Israel kam dazu Ablehnung, denn dort ist man sich klar, daß eine solche Friedenstruppe zunächst einen Vorteil für die Palästinenser bringen würde: Die israelische Armee könnte dann nicht mehr mit gleichem Eifer palästinensische Häuser sprengen oder Jagd auf Hamas-Aktivisten machen. Das aber würde eventuell zur Beruhigung der Lage beitragen. Deshalb will nun der französische Außenminister Dominique de Villepin mit seinen EU-Partnern über die Möglichkeit einer Entsendung von Friedenstruppen nach Israel/Palästina beraten. Was Deutschland betrifft, sollte eine verantwortungsbewußte Bundesregierung das Thema sehr behutsam angehen. Nach Bosnien, Kosovo und Afghanistan und angesichts der ersten deutschen Gefallenen sollte sich Berlin fragen, ob es nicht erstens seine Fronten überdehnt und ob sich zweitens der Einsatz „lohnt“. Leicht sitzt man nämlich am Ende zwischen allen Stühlen und hat sich mit beiden Streitparteien verkracht. Die Deutschen sollten sich durchaus den „Luxus“ einer mittleren Großmacht leisten – nämlich nicht überall im Schlamassel sitzen zu müssen. Weniger ist da mehr – oder zynisch ausgedrückt: Tu nichts Gutes, dann widerfährt Dir nichts Böses.

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