Neue Technologien: Abstammungsgene

Wissenschaft, die außerwissenschaftlichen Zwecken dient, wird bald zur Ideologie. So haben wir es gelernt. Daher hätte es sich Professor Gerd Utermann von der Österreichischen Gesellschaft für Humangenetik besser überlegen sollen, als er versprach: „Die Wissenschaft der Genetik kann niemals dazu dienen, Rassismus zu legitimieren.“ Nach einer solchen Erklärung braucht sich der lernbegierige Laie die Forschungsergebnisse gar nicht mehr anzuhören. Denn sie „können“ gar nicht anders lauten als so, wie es Herr Utermann „der Genetik“ vorgeschrieben hat, nämlich antirassistisch. Diese Ideologisierung ist um so ärgerlicher, als die bisherigen genetischen Erkenntnisse eher gegen einen rassistischen Standpunkt sprechen. Man hat also eine Zensur gar nicht nötig. Daß sie trotzdem prophylaktisch eingesetzt wird, spricht für die Brisanz des Themas. Zwei nicht miteinander verwandte Menschen des gleichen Herkunftslands weisen eine ähnliche Anzahl genetischer Unterschiede auf wie zwei Individuen aus verschiedenen Erdteilen, stellt ein Artikel in der Dezemberausgabe des Wissenschaftsmagazins Science fest. Mit anderen Worten: Ihr Nachbar steht Ihnen genetisch gleich fern, ob er nun aus Ghana oder aus Gießen stammt. In Proceedings erschien gerade ein Beitrag des Brasilianers Sérgio Pena. Er findet im Erbgut seiner Landsleute afrikanische, indianische und europäische Anteile. Doch stimmen diese Anteile nicht mit dem Phänotyp überein. Ein Dunkelhäutiger kann mehr europäische Gene tragen als der helle Typus. Vor dem Zuschlagen müssen die Skinheads also in Zukunft an Ort und Stelle eine DNA-Analyse vornehmen. Zum Glück werden die Verfahren immer einfacher. Eines Tages muß man vielleicht nur noch ins Röhrchen pusten. Hier zeigt sich bereits die Zwiespältigkeit der mikrobiologischen „Rasseforschung“ – und warum man vielleicht doch Grund hat, sich ideologisch gut abzusichern. Denn widerlegt die Forschung einerseits alte Rassemythen, so eröffnet sie die Möglichkeit zu neuen Spekulationen. Bisher ist über die Korrelation von Genen mit bestimmten geistigen Eigenschaften nichts bekannt. Also kann gegenwärtig nicht entschieden werden, ob es rassische Unterschiede in Geist und Charakter gibt oder nicht. Quantitätsangaben sagen in der Genetik erfahrungsgemäß wenig aus. Nur zwei Prozent Unterschied trennen uns genetisch vom Affen. Welches Gewicht hat dann noch die Feststellung einer „großen Ähnlichkeit“ zwischen unterschiedlichen Menschenrassen? Ohne die Gene und ihre einzelnen Funktionen umfassend zu kennen, ist die „Rassenfrage“ wissenschaftlich kaum zu klären. Der Film „8 Mile“, der zur Zeit im Kino läuft, handelt von einem weißen Jungen, der verzweifelt Anschluß an die schwarze Hip-Hop-Szene sucht. Doch die halten Weiße für hoffnungslos unmusikalisch. Es liegt ihnen eben nicht „im Blut“…

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