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Drosten
Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Infektionsschutzgesetz
 

Drosten für härtere Corona-Maßnahmen / Vorgänger will Inzidenzwert kippen

BERLIN. Der Virologe Christian Drosten hat härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gefordert. Die vom Bundeskabinett beschlossenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes gingen ihm mit Blick auf die schwierige Lage auf den Intensivstationen nicht weit genug, sagte er am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Grund dafür sei auch ein massiver Mangel an Pflegekräften. Er befürchtet zudem, daß die Zahl der täglichen Neuinfektionen bald zwischen 20.000 und 30.000 liegen werde.

Drostens Vorgänger Detlev Krüger sowie der Virologe Klaus Stöhr appellieren dagegen an die Politik, sich nicht nur an den Inzidenzwerten zu orientieren. In einem Offenen Brief an den Deutschen Bundestag, der der Welt vorliegt, riefen sie zu einem Umdenken in der Pandemiepolitik auf.

„Wir raten dringend davon ab, bei der geplanten gesetzlichen Normierung die 7-Tage-Inzidenz als alleinige Bemessungsgrundlage für antipandemische Schutzmaßnahmen zu definieren“, heißt es in ihrem Aufruf.

Neuaufnahmen auf Intensivstationen als Handlungsgrundlage

Der ehemalige Leiter des Virologischen Instituts der Berliner Charité, Krüger, und der ehemalige Leiter des Globalen Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Stöhr, empfehlen dagegen folgendes Vorgehen: „Eine leicht zu bestimmende und zu kommunizierende Bemessungsgrundlage wäre die tägliche Anzahl der COVID-bedingten intensivstationären Neuaufnahmen, differenziert nach Landkreis des Patientenwohnortes, Alter und Geschlecht mit Berücksichtigung diesbezüglicher zeitlicher Trends.“

Hierbei handele es sich nicht um die im Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) berichtete Anzahl der mit Covid-19 belegten Intensivbetten. Die Zahl intensivstationärer Neuaufnahmen dagegen könne die Dynamik des Infektionsgeschehens besser abbilden als die intensivmedizinische Belegungsstatistik.

Die Häufigkeit der Erkrankungen und ihrer jeweiligen Schwere, also insgesamt die Krankheitslast, müsse die Grundlage für die Auswahl von Schutzmaßnahmen sein, nicht die Inzidenz. Durch vermehrtes Testen würde der ermittelte Inzidenzwert „zunehmend weniger die Krankheitslast in der Gesellschaft wiedergeben“.

Warnung vor gravierenden Auswirkungen

Die Wissenschaftler befürchten, daß „die gesetzlich verbindliche Koppelung von Maßnahmen an die 7-Tages-Inzidenz der Infektionen zur Folge haben können, daß selbst dann massive Einschränkungen der Freiheitsrechte mit gravierenden Auswirkungen auf Wirtschaft, Kultur und die körperliche und seelische Gesundheit erfolgen müßten, wenn längst weniger krankenhauspflichtige Erkrankungen als während einer durchschnittlichen Grippewelle resultierten“.

Ungeachtet dessen hatte sich das Bundeskabinett am Dienstag auf bundeseinheitliche Corona-Maßnahmen geeinigt. Ab einer Inzidenz von 100 soll eine nächtliche Ausgangssperre greifen. Der Bundestag will die sogenannte Notbremse jedoch nicht im Schnellverfahren beschließen. (hl)

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
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