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Senior in Köln: Renteneintrittsalter im Schnitt bei 65,6 Jahren
Senior in Köln: Renteneintrittsalter im Schnitt bei 65,6 Jahren Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Corona und Demografie bremsten Wachstum
 

Wirtschaftsinstitute mahnen höheres Renteneintrittsalter an

BERLIN. Führende deutsche Wirtschaftsinstitute haben die Bundesregierung aufgefordert, über ein höheres Renteneintrittsalter nachzudenken. Ein ausgeglichener Haushalt sei wichtig, um auf größere Krisen reagieren zu können, mahnen unter anderem das ifo-Institut, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das das RWI – Leibniz-Institut in ihrer halbjährlichen „Gemeinschaftsdiagnose“.

Dies könne entweder durch eine Verstetigung auf der Ausgaben- oder eine Stärkung der Einnahmenseite gelingen. „Der demografische Wandel lastet aber mittel- und langfristig auf den Wachstumsperspektiven.“ Da die Abgabenquote in Deutschland bereits auf einem Höchststand sei, rücke „ein höheres Renteneintrittsalter stärker in den Fokus, würde dies doch die Einnahmeseite der Rentenversicherung stärken und zudem das Produktionspotenzial erhöhen“. Ein solcher Schritt brächte „eine doppelte Rendite“.

Eintrittsalter in Deutschland höher als in Frankreich und Italien

Die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt in Deutschland liegt für Personen, die nach 1964 geboren wurden, bei 67 Jahren. Laut einer Berechnung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2018 in Deutschland bei 65,5 Jahren. In den zweit- und drittgrößten EU-Staaten Frankreich und Italien verlassen die Bürger hingegen im Schnitt zwei beziehungsweise drei Jahre früher den Arbeitsmarkt.

Laut dem Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute verzögert sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr aufgrund der Corona-Einschränkungen. 2021 werde die Wirtschaft um 3,7 Prozent, 2022 um 3,9 Prozent wachsen. „Aufgrund des anhaltenden Shutdowns dürfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,8 Prozent gesunken sein“, sagte der Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, Torsten Schmidt. In der Prognose sei eine Fortführung der Maßnahmen miteinberechnet.

Erholung in Deutschland langsamer als im Welt-Durchschnitt

Die internationale Konjunktur zieht den Forschern zufolge rasch wieder an, „sobald sich der Bann der Pandemie löst“. Allerdings erholten sich die einzelnen Weltregionen zeitlich versetzt. Zu diesem Ergebnis war vorige Woche auch der Internationale Währungsfonds gekommen. Demnach werde die wirtschaftliche Erholung in Deutschland mit 3,6 Prozent BIP-Wachstum deutlich langsamer erfolgen als in den meisten anderen Ländern der Welt.

Weltweit wird der BIP-Anstieg 2021 sechs Prozent betragen, sagten die IWF-Ökonomen voraus. In der Euro-Zone soll sich das Wachstum im Schnitt auf 4,4 Prozent belaufen. Auch in Großbritannien und Rußland werde die Wirtschaft mehr anziehen als in Deutschland. (ls)

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