Firmen lagern Geld in Tresoren

Schweizerische Nationalbank verteidigt Negativzinsen

BERN. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Einführung von Negativzinsen verteidigt. „Ohne den Negativzins wären Inflation und Wirtschaftswachstum in der Schweiz tiefer“, sagte SNB-Vize-Chef Fritz Zurbrügg laut der Tageszeitung Bund Ende vergangener Woche bei einer Rede vor Mitgliedern der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern.

Der Negativzins sei entscheidend, damit die SNB ihren geldpolitischen Auftrag erfüllen könne. Dieser laute, die Preisstabilität zu wahren und die konjunkturelle Entwicklung zu berücksichtigen. Der Negativzins dämpfe den Aufwärtsdruck auf den Franken, was inländischen Unternehmen zugute käme. Bei einem schwächeren Franken seien zudem Importgüter teurer, was zu einer höheren Inflationsrate führe.

Mehr Versicherungsanfragen für Bargeld

Bereits im Sommer war bekannt geworden, daß immer mehr Schweizer Unternehmen ihr Bargeld in Tresoren lagern, um Negativzinsen bei Banken zu umgehen. „Aufgrund des tiefen Zinsniveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, sagte Philipp Surholt, zuständig für Schweizer Großkunden bei der Versicherung Zurich, Ende August dem Schweizer Tagesanzeiger.

Ähnlich hätten sich auch Mitarbeiter der Axa-Winterthur und der Helvetia-Versicherungen geäußert. Letztere verzeichne „vermehrte Anfragen von Kunden, die Bargeld in ihrem eigenen Bankschließfach aufbewahren wollen“. Während Privatkunden von der Belastung durch Negativzinsen nicht direkt betroffen seien, spürten dies Großkonzerne sehr wohl.

„Professionelle Anbieter von Tresorräumen und Lagerstätten“

Laut dem Blatt weise die Mehrzahl der Schweizer Banken die aus den Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank entstehenden Kosten auf ihre Großkunden ab. Diese suchten dann nach anderen Lösungen, ihr Geld aufzubewahren. Erstaunlich hoch seien die angefragten Versicherungssummen, sagte Surholt. Sie bewegten sich zwischen 100 und 500 Millionen Franken (rund 93 und 465 Millionen Euro).

Das Geld würde „bei professionellen Anbietern von Tresorräumen und Lagerstätten“ aufbewahrt. Hierfür würden auch frühere Armeebunker genutzt. Bei der Helvetia habe es entsprechende Anfragen gegeben, zu einem Versicherungsabschluß sei es bislang jedoch nicht gekommen. Die Schweizerische Nationalbank hatte 2014 Negativzinsen eingeführt.

Erste Sparkassen in Deutschland prüfen Negativzinsen

In Deutschland hatten Ende August erste Sparkassen Negativzinsen geprüft. Einzelne Institute des Ostdeutschen Sparkassenverbandes verhandelten bereits mit Großkunden über „Verwahrentgelte“ von 0,4 Prozent, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Wolfgang Zender, laut Deutschlandfunk.

Zender hoffte, „daß alle die Nerven bewahren“. Die Sparkassen, die die Strafzinsen prüfen, ließen sich an zwei Händen abzählen. Gewöhnliche Sparkassenkunden bräuchten diese Maßnahme nicht zu fürchten, sagte Verbandspräsident Michael Ermrich laut Focus Online. „Wir wissen, daß viele unserer Kunden kaum Geld haben, deshalb besteht das Thema da nicht.“ (ls)

Tresorraum: Immer mehr Schweizer Firmen lagern Geld bei professionellen Anbietern Foto: picture alliance/Keystone

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