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Lehrlinge
Mechatroniker-Lehrlinge an der Säulenbohrmaschine: Diskriminierungserfahrungen für türkische Schüler? Foto: picture alliance

„Diskriminierung“
 

Studie: Wirtschaft benachteiligt türkischstämmige Lehrlinge

BERLIN. Die Wirtschaft bevorzugt Lehrlinge mit einem deutschen Vornamen. Laut einer aktuellen Untersuchung müssen sich Schüler mit türkischen Vornamen häufiger bewerben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Zu diesem Schluß kommt eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Damit sei nachgewiesen, „daß ein diskriminierungsfreier Zugang zur Ausbildung im dualen System in Deutschland noch nicht gewährleistet ist“, hieß es bei der Präsentation der Untersuchung.

Für die Studie wurden fiktive Bewerbungen von zwei Schülern an 1.800 Unternehmen verschickt. Die jungen Männer, die sich auf Ausbildungsplätze als Kraftfahrzeug-Mechatroniker und als Bürokaufmann bewarben, besaßen gleiche Qualifikationen, aber unterschiedliche Vornamen. Der deutsche Schüler mußte sich durchschnittlich viermal bewerben, um zu einem Vorstellungsgespräch als Mechatroniker eingeladen zu werden. Der türkische Kandidat bewarb sich dagegen durchschnittlich siebenmal.

Flächendeckend anonymisierte Bewerberverfahren

„Wo diskriminiert wird, entgehen den Ausbildungsbetrieben geeignete Bewerber“, kritisierte Forschungsleiter Jan Schneider das Ergebnis. „Wenn junge Menschen mit Migrationshintergrund die Erfahrung machen, daß sie auf ihre Bewerbungen immer wieder Absagen erhalten, kann das zu Resignation und Rückzugstendenzen führen.“ Bei den Bewerbungen auf eine Stelle als Bürokaufmann gab es dagegen praktisch keinen Unterschied. Hier mußte sich der deutsche Schüler durchschnittlich sechs-, sein türkischstämmiges Pendant siebenmal Bewerben.

Insbesondere kleine Betriebe mit weniger als sechs Mitarbeitern hätten zur Diskriminierung geneigt. „Erwartungshaltungen, Vorurteile und Projektionen erweisen sich in Verbindung mit betrieblichen Auswahllogiken als Nährboden für Diskriminierung“, mutmaßt Schneider. Als Reaktion fordert die Studie anonymisierte Bewerbungsverfahren. Da sich gerade kleine Betriebe derartige Verfahren nicht leisten können, regt die Studie die Entwicklung einer kostengünstigen Software-Lösung für „den flächendeckenden Einsatz“ an.

„Jede Diskriminierungserfahrung ist eine versagte Teilhabechance“, mahnte Schneider. Aber auch wirtschaftlich betrachtet sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Diskriminierung ein Hemmnis. Man sei „mehr denn je darauf angewiesen, das gesamte Potential der Bewerber auszuschöpfen“. (FA)

Mechatroniker-Lehrlinge an der Säulenbohrmaschine: Diskriminierungserfahrungen für türkische Schüler? Foto: picture alliance
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