Zurück zu den Realitäten

Der Absturz des Euro zum US-Dollar von fast 1,60 auf 1,42 überrascht. Doch er spiegelt nur die Rückkehr zu den Realitäten wider, die im Höhenrausch seit Jahresbeginn aus dem Blick geraten sind. Euroland ist im Gegensatz zu den USA keine homogene Volkswirtschaft. In Deutschland, den früheren Ländern des D-Mark-Blocks (Niederlande, Österreich) oder Finnland boomte es, die Leistungsbilanzen waren aktiv, Preise und Lohnstückkosten hielten sich leidlich stabil. In den restlichen zwei Dritteln der Euro-Länder dagegen explodierten sie und mit ihnen die externen Defizite. Deutschland verdiente mit seinem alten DM-Block das Geld, das die über ihre Verhältnisse lebende Euro-Mehrheit für Importe, Konsum und Investitionen zu Hause ausgab und mit Auslandsschulden finanzierte. Früher hätte das normalerweise zur Abwertung ihrer Währungen geführt. Doch der Euro verhinderte das, der DM-Block hatte ihn stabilisiert. Diese Nachwirkung der D-Mark fällt jetzt weg. Auch den Kernländern der Euro-Zone drohen Inflation, Lohnkostenexplosion und Einbruch der Exportkonjunktur. Dazu kommt die Politik der Zentralbanken. Während die US-Fed flexibel auf Krise und Konjunktureinbruch reagiert, rührt sich die EZB in Frankfurt nicht vom Fleck. Sie kann gar nicht anders. Was nützt ihr die Unabhängigkeit von ihren 15 Regierungen (demnächst werden es noch mehr sein!), wenn sie es immer weniger riskieren kann, sich mit immer mehr von ihnen anzulegen. Eine Währung ohne schützenden Staat ist wie eine Badewanne ohne Wand. Sie bietet weder Halt vor dem Überfließen der Inflation noch für ein stabiles Niveau von Konjunktur und Beschäftigung. Diese Realität holt jetzt den „staatenlosen“ Euro ein und bestimmt sein Verhältnis zum US-Dollar.

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