Mercedes geht’s ans

Vegetarier können für Autokonzerne schwierige Kunden sein. Denn für die Innenausstattung eines Pkws braucht man die Häute von ungefähr vier Kühen – bei einem Maybach sind es sogar sieben Kuhhäute, bei einem Rolls-Royce 15. Mercedes versprach Anfang des Jahres der Tierrechtsorganisation Peta nach einer Verbraucherkampagne, daß alle Mercedes-Modelle komplett lederfrei zu haben sein werden. Also ging Pamela Anderson kürzlich zu einem Mercedes-Händler und verlangte einen geländetauglichen G55 in lederfreier Ausführung. Leider sei das Modell so nicht verfügbar, bekam sie mitgeteilt. Die US-Schauspielerin zeigte sich enttäuscht und schrieb an die Führungsspitze von Mercedes in den USA: „Dürfte ich Sie bitten, alle Benz-Modelle ohne Tierhaut anzubieten?“ Denn: „Heutzutage betrachtet man Leder weniger als Luxus denn vielmehr als stinkende, tote Haut.“ Ob Frau Anderson in der Chefetage Eindruck gemacht hat, ist nicht überliefert. Man kann aber beim nächsten Autokauf nachfragen, ob es alle Modelle in lederfreier Ausführung gibt. Kampagnenunterstützer James Cromwell will jedenfalls nicht locker lassen und mit der Mercedes-Führung reden. Denn Leder ist das wichtigste Nebenprodukt der Fleischindustrie, dessen Konsum zur Intensivtierhaltung beiträgt, ebenso zu Schlachtungen wie am Fließband, bei denen zu einem gewissen Prozentsatz eine fehlerhafte Betäubung erfolgt – mit entsprechender Tierquälerei. Wer Fernsehstars wie Pamela Anderson beeindrucken möchte, wird bis auf weiteres mit einem lederfreien Mittelklassewagen besser fahren. Auch andere Prominente sind derzeit für Peta und die Interessen von Tieren unterwegs, etwa Roger Moore, einst bekannt als James Bond.

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