Angekündigtes Vogelsterben

Wenn es um die Zukunft geht, kann man den Kaffeesatz zu Rate ziehen oder auch in der Bibel über die „letzten Tage“ lesen. Andere entwickeln eine Computersimulation, geben die Parameter ein – und schauen, was herauskommt. Dabei ist besonders wichtig, daß es ein dramatisches Ergebnis wird, denn nur dann kommt es in die Schlagzeilen und verheißt dem Forscher Aussicht auf lukrative „Drittmittel“. Wissenschaftler um Cagan Hakki Sekercioglu von der Stanford Universität haben in einer PC-Simulation fast 10.000 noch lebende und 130 ausgestorbene Vogelarten analysiert, deren Verbreitung, ökologische Funktion und Lebensweg erfaßt und auf „Enter“ gedrückt. Ergebnis: Im Jahr 2100 werden sechs bis 14 Prozent aller Vogelarten verschwunden und weitere sieben bis 25 Prozent „funktionell ausgestorben sein“ – entweder nicht mehr in freier Wildbahn vorkommen oder keine nennenswerte Rolle mehr im Ökosystem spielen. Der Studie zufolge sind besonders Vogelarten gefährdet, die nur Früchte, Nektar, Fische oder Aas fressen. Denn je spezialisierter die Art ist, desto eher werde sie aussterben, sind die Forscher überzeugt. Natürlich sind die gefiederten Genossen nicht nur zum Spaß auf der Erde, sie haben wichtige Funktionen. Daher werden sich mit dem Aussterben diverser Vogelarten auch die Ökosysteme verändern. Fehlen den Pflanzen zum Beispiel die Vögel, die sie befruchten und ihre Samen verbreiten, werden auch sie verschwinden. Aber auch die Rolle als natürliche „Insektizide“ und Aasschlucker kann dann weniger wahrgenommen werden, so daß hier Ersatz – etwa durch Ratten – nötig sein wird. Schade nur, daß wir 2100 die Studie nicht mehr überprüfen können.

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