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In Indien ist es billiger

Auf der Cebit im Jahr 2000 hatte Gerhard Schröder die Ausstellung von „Green Cards“ für ausländische IT-Profis angekündigt. Vier Jahre später ist vom Kanzler-Projekt nichts übriggeblieben. Inzwischen beziehen deutsche Firmen Software von Anbietern vor Ort. Sie liegen nach den USA und Großbritannien als Importeur indischer Software auf dem dritten Platz. Das liege an der Sprachbarriere, weil Indien auf den englischsprachigen Markt fixiert sei, teilte der Internetdienst Silicon.de mit. Viele der über zehntausend „Green Card“-Spezialisten sind in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten. Viele hätten Deutschland den Rücken gekehrt und seien in englischsprachige Länder weitergezogen, so Silicon.de. Dafür planten die indische Firmen jetzt aber den Eintritt in den deutschen Markt. Die über zwei Millionen Programmierer in Indien sind ein Standortfaktor sondergleichen. Deswegen drängt es die Firmen auch vermehrt nach Indien. Warum IT-Profis nach Deutschland holen, wenn es sie zu günstigeren Lohnkosten woanders gibt? Motorola will seine Chip-Entwicklung in Hongkong, Taiwan und Singapur nach Indien und China verlegen. Mit Bosch, SAP, Siemens und Daimler-Chrysler sind bereits Spitzenunternehmen in Bangalore präsent. Die Stimmung bei den deutschen Programmierern in Berlin und München ist entsprechend gedrückt. Ihnen könnte es gehen wie den 160 Angestellten der Darmstädter Software AG. Die sind arbeitslos, weil der Kundendienst jetzt von Indern erbracht wird. Auch Firmen, die nicht gleich den Sprung nach Übersee wagen, können deutsches Personal entsorgen. Sie lagern die Softwareproduktion einfach aus, „Outsourcing“ heißt das im Managerdeutsch. 130.000 Arbeitsplätze sind laut einer Studie von A. T. Kearny bedroht. Die Outsourcing-Firma rechnet potentiellen Kunden vor, daß die deutsche Wirtschaft jährlich rund zwei Milliarden Euro einsparen könnte, indem die IT-Abteilung entlassen und einer indischen Firma ein Auftrag erteilt wird. In den USA gehen bereits zwanzig Prozent des IT-Budgets ins Ausland. Aber nicht nur auf dem Arbeitsmarkt für Fach- und Führungskräfte dürfte der Druck steigen. Auch die niedrigeren Lohngruppen bleiben von den Auswirkungen der Globalisierung nicht verschont. Die EU-Osterweiterung setzt den deutschen Arbeitsmarkt neuen Gefahren aus. Die Beitrittsstaaten wurden kürzlich von der EU-Kommission untersucht. Das Ergebnis: Unser östlicher Nachbar Polen schneidet in vielen Belangen am schlechtesten ab. Das dürfte zur Folge haben, daß sich bald hundertausende arbeitslose Polen hierzulande verdingen. Jeder fünfte Pole ist derzeit arbeitslos, darunter viele Akademiker! Trotzdem begrüßen einer Polis-Umfrage zufolge 51 Prozent der Deutschen den EU-Beitritt Polens. Nur 37 Prozent sprachen sich dagegen aus. Zur letzten Gruppe dürfte Carl-Peter Forster gehören. Der Chef der Firma Opel hat vor erheblichen Risiken für den deutschen Arbeitsmarkt gewarnt. Dies würde nicht ernstgenommen, warnte er in der Berliner Zeitung.

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