Die Zukunft wird einfarbig

Eine Briefmarke geht um die Welt und gibt Zeugnis über die Kultur des Herkunftslandes ab. Gemessen an der Beliebtheit des Motivs wird das aus Deutschland kommende Exemplar ein Stück Natur zeigen. Die Liebe zur Natur ist typisch deutsch. Nationalparks wie den Harz und aussterbende Blumenarten kennen viele von Briefmarken her. Das ist Allgemeinbildung im Kleinstformat. Am Postschalter 2004 aber die Überraschung: Zuschlagfreie Sondermarken gibt es nicht mehr; sie sind nur noch in Frankfurt am Main beim Service für Philatelisten zu beziehen. Statt dessen gibt es nur zweifarbige Dauermarken mit bedeutenden nationalen Köpfen darauf, oder aber Wohlfahrtsmarken für Spendenfreudige, die meist dem Sport zugute kommen. Wirtschaftliche Erwägungen haben diese ästhetische Umwälzung im Postwesen mit sich gebracht. Schöne bunte Marken sollen selten werden, damit sie wieder gesammelt und nicht verschickt werden, was dann für die Post leicht verdientes Geld ist. Also schöne Natur-Briefmarken nur für Sammler und nicht für den Alltagsgebrauch als allgemeines Kulturgut? Geht den Deutschen die Liebe zur Natur immer mehr abhanden, um an ihrer Stelle nur noch rein ökonomisch zu denken? Das wäre ein Armutszeugnis, reiht sich aber in eine allgemeine Entwicklungstendenz ein. Ein Währungshüter als Bundespräsident würde da gut passen und soll dann auch für die Unionsparteien ins Rennen um das höchste Amt im Staate gehen. Der engagierte Umweltschützer der CDU, Klaus Töpfer, wirkt dagegen wie eine Briefmarke vom letzten Jahr. Schwarz-Grün wäre auch zu teuer, während Orange im Druck nur eine Farbe kostet und von den urbanen Grünen mitgetragen werden könnte.

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