Großkapitalisten unter Dauerkommunisten

William Ding Lei gilt als reichster Mann der Volksrepublik China. Nach Ermittlungen des Wirtschaftsmagazins Asiamoney beträgt das Vermögen des 32jährigen "rotchinesischen Bill Gates" zirka 900 Millionen Dollar. Die Schätzung beruht auf dem Aktienwert des IT-Unternehmens Net Ease, das über ein eigenes Internetportal den Chinesen Computerspiele und SMS-Kommunikation anbietet. Firmengründer Lei hält 52 Prozent der an der US-Technologiebörse gehandelten Unternehmensaktien. Von den 100 gelisteten rotchinesischen Großkapitalisten ist jeder dritte Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas und kaum einer über die Veröffentlichung seiner Vermögenswerte erfreut. Viele rotchinesische Multimillionäre bezeichnen die ermittelten Zahlen als reine Fantasie – frei nach dem Motto: "Wo soll ich denn das ganze Geld haben?" In der Tat ist die Erfassung der geschätzten Vermögen nicht unproblematisch. Beispielsweise erhöhte sich das Vermögen des Spitzenreiters William Ding Lei nach der Veröffentlichung der Liste binnen kurzer Zeit durch steigende Aktienkurse auf 1,3 Milliarden Dollar, also um 50 Prozent. Vor einem Jahr taucht er noch nicht einmal in der Hunderterliste auf.

Der Viertplazierte, ebenfalls Vorstandschef einer Internet-Firma, fragt durchaus berechtigt, wieso sein Vermögen auf 480 Millionen Dollar taxiert wird, wenn sein Unternehmen gerade einmal 220 Millionen Dollar Umsatz verzeichnet. Mögen die Zahlen auch übertrieben sein, verglichen mit dem kargen chinesischen Durchschnittseinkommen sind die Genannten unermeßlich reich – aber nicht alle durch staatliche Korruption oder als Mitglieder der KPC-Nomenklatura. Das Glück läßt sich demnach auch im kommunistischen China schmieden.

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