Die Ökonomik der Kriegsführung

Präsident Bush hat 75 Milliarden Dollar als Anzahlung zur Finanzierung des Anti-Saddam-Kriegs vom US-Kongreß eingefordert. Kriegführen ist keine billige Angelegenheit. Wie teuer es werden darf, untersteht – auch wenn kaum jemand darüber spricht – ökonomischen Kalkulationen. Die einfachste Gegenrechnung lautet, für die Freiheit des irakischen Volkes und die Sicherheit der anderen Länder vor den Massenvernichtungswaffen eines unberechenbaren Diktators ist uns jeder Preis recht. Etwas komplizierter wird es dagegen, wenn genauer kalkuliert wird. Besonders schwierig ist die Frage, wie wahrscheinlich es ist, daß Saddam Massenvernichtungswaffen besitzt, und wenn ja, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß er sie einsetzt. Leichter als die Ertragsseite ist dagegen die Kostenseite zu beziffern. Die Gesamtkosten des Einsatzes einer Streitmacht sind jedoch um die ohnehin anfallenden Basiskosten für die grundsätzliche Bereitstellung der Landesverteidigung zu vermindern. Fraglich ist auch der Zeitwert der eingesetzten Bomben und Raketen, sofern sie älteren Baujahrs und schon überwiegend abgeschrieben sind. Die Ersatzbeschaffung zu Neupreisen entspricht nicht den tatsächlichen Kosten der abgefeuerten Altraketen. Diese Faktoren sind insbesondere dann bedeutsam, wenn der unterliegenden Partei die Kriegskosten über Reparationsforderungen in Rechnung gestellt werden. Im Falle Iraks, daß wegen seines Ölreichtums keine Zahlungsprobleme haben dürfte, würde bei einer Begleichung der Kriegskosten mit Öllieferungen auch noch der Verrechnungspreis des Öls eine Rolle spielen. Wird er entsprechend niedrig angesetzt, bieten sich für den Gewinner des Krieges vortreffliche Schnäppchen an.

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