Angriffsziel Kernkraftwerk

Über das Risiko der Atomkraft werke in Zeiten des interna-tionalen Terrorismus ist nach dem 11. September 2001 viel diskutiert worden. Die beiden New Yorker WTC-Türme wurden nicht in der Annahme konstruiert, dort könnte eventuell ein Passagierflugzeug hineinfliegen. Die Schlagkraft von Jumbojets übertrifft daher auch alles, was Sicherheitsexperten der Atomenergienutzung in ihr Kalkül einbezogen haben. So mußte, was Deutschland betrifft, erst einmal ein Gutachten her, das über Risiken und Nebenwirkungen der Nutzung von AKWs Aufschluß gibt. Das Schriftstück liegt Bundesumweltminister Jürgen Trittin vor. Was in dem Papier der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) drinsteht, weiß in der Öffentlichkeit niemand. Das geheime Gutachten wird nach Darstellung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) an die Amtskollegen in den Bundesländern verteilt. Es müßten aber vielmehr die hessische und andere Landesregierungen mit besonders fragwürdigen AKW-Standorten und Sicherheitsstandards angewiesen werden, unverzüglich Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Die Betreiber der Atomkraftwerke müßten verpflichtet werden, detaillierte Pläne zur Gefahrenabwehr zu erstellen. Der BUND bezeichnet es als ein schweres Versäumnis der Vergangenheit, daß AKWs errichtet werden durften, ohne ihre Verletzlichkeit gegen kriegerische oder terroristische Angriffe zu untersuchen. Erhard Eppler, Herbert Gruhl oder Friedhelm Farthmann hatten schon vor 30 Jahren darauf hingewiesen. Doch statt später Einsicht wurde die Laufzeit des besonders problematischen AKW Biblis von der rot-grünen Bundes­regierung verlängert.

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