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Europa am Scheideweg der Kulturen

Es heißt Eulen nach Athen zu tragen, wenn man auf die demographische Entwicklung und die Bevölkerungsexplosion in der heutigen muslimischen Welt hinweist, die ein Grunddatum der historischen Prozesse der Gegenwart ist. Stellten die Muslime noch 1980 erst 18 Prozent der Weltbevölkerung, so sind es heute, ein Vierteljahrhundert später, schon rund 25 Prozent (1,3 Milliarden), in weiteren zwanzig Jahren bereits ein Drittel. Die Bevölkerung der Türkei hat sich im letzten halben Jahrhundert von 40 auf bald 80 Millionen verdoppelt, diejenige Ägyptens von knapp 30 Millionen (1965) auf 75 Millionen (2003). In den fruchtbaren Teilen Pakistans drängen sich heute bereits bis zu 160 Millionen Menschen. Doch die aktuellen Zahlen bilden gewissermaßen nur die halbe Wahrheit ab, da sie die Dynamik des Prozesses eher verschleiern. Die Zahl von derzeit „nur“ 3,5 Millionen Moslems in Deutschland mag auf den ersten Blick beruhigen, doch anders sind die Zahlen schon in den Ballungsgebieten und Großstädten. Hier wurden 2005 etwa in Stuttgart bereits 40 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gezählt, darunter der größte Teil Muslime, in Frankfurt am Main 39,5 Prozent und in Nürnberg 37 Prozent. Bei den bis zu Fünfjährigen wird in Nürnberg heute bereits ein Anteil von 67 Prozent gezählt, in Frankfurt von 65 Prozent, in Stuttgart und Düsseldorf von je 64 Prozent. Die Zahlen belegen, daß Etiketten wie Ein- oder Zuwanderung nur der Beschönigung dienen und daß wir es mit einer veritablen Völkerwanderung islamischer Bevölkerung nach West- und Mitteleuropa zu tun haben. Zu den harten demographischen Fakten treten die geistigen Bewußtseinsmaßstäbe, die in Orient und Okzident unterschiedlicher nicht sein könnten: So ist in der muslimischen Welt ein kulturgeschichtliches Langzeitgedächtnis lebendig, während das kulturelle Gedächtnis in den westlichen Industrie- und Konsumgesellschaften zu einem Kurzzeitgedächtnis zusammengeschrumpft ist. Demzufolge ist hier eine Fixierung der Aufmerksamkeit, des Denkens und Urteilens auf die bloßen Tagesaktualitäten oder – im Rhythmus der parlamentarischen Demokratie – auf die Legislaturperioden zu beobachten. Das aber schneidet die Menschen von der Einsicht in die eigentlichen Triebkräfte des geschichtlichen Prozesses ab, die nur in den großen langfristigen Bögen, der longue durée, verstanden und beurteilt werden können. Der englische Historiker Arnold Toynbee hat auf diesen eigentümlichen Schrumpfungsprozeß schon am Ende des Zweiten Weltkrieges aufmerksam gemacht. Nietzsches Sensibilität hatte ihn bereits Jahrzehnte zuvor wahrgenommen, als er in der „Unzeitgemäßen Betrachtung“ feststellte, daß die Europäer dazu neigten, die anspruchsvolle Dreidimensionalität der menschlichen Existenz von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft preiszugeben zugunsten des „Glücks des Grasens“ und gebunden an den „Pflock des Augenblicks“. Dieser letzte Mensch verabschiede sich glücklich in die Sonne blinzelnd von seiner eigentlichen historisch-politischen Existenz. Vor allem durch die Schwäche und Gleichgültigkeit in den europäischen Ländern und nicht zuletzt der Kirchen konnte der Islam zu einer machtvollen Mehrheitsreligion werden und den alten Kontinent kultur- und machtpolitisch
bedrohen. In diesem Sinne zeichnete dann auch Arnold Gehlen nach 1945 das Bild Deutschlands und Europas als eines Geschichtsraumes, der von der Epoche der Weltkriege und der totalitären Diktaturen erschöpft zurückgelassen wurde, eines Kontinents mit dem deutlichen Hang zu privatem Konsum und dem Bedürfnis nach Sicherheit – bei gleichzeitiger Preisgabe der geistigen, kulturellen und sozialen Bindekräfte. Humanitarismus, Massen­eudämonismus und Pazifismus, die Paradigmen dieser brave new world in Europa, verführten zu der Bereitschaft, den Willen des Stärkeren oder des geschichtlich scheinbar Unabwendbaren hinzunehmen. Was Max Scheler in den zwanziger Jahren noch hoffnungsvoll als „Zeitalter des Ausgleichs“ beschrieben hatte, nahm Gehlen unter dem Eindruck von 1945 nun kritisch wahr als Tendenz zum Abbau der Profile, der Unterschiede und Spannungen zwischen den Kulturkreisen, den großen gegensätzlichen Welt- und Götterbildern, den Normen und Kulturschranken, schließlich auch der Polarität des Männlichen und Weiblichen und der Ober- und Unterklassen. Lange bevor im Westen „Globalisierung“ zu einer säkularen Heilslehre wurde, war Gehlen einer ihrer schärfsten Kritiker, und seine geistige Fruchtbarkeit bewährt sich gerade heute, da es den neuen Ost-West- und Nord-Süd-Konflikt zu verstehen und zu bestehen gilt. Schon vor zehn Jahren hat Rolf Stolz in seinem wichtigen Buch „Kommt der Islam? Die Fundamentalisten vor den Toren Europas“ die in diesem Zusammenhang zentralen Fragen gestellt. Schon damals war der Islam zur zweit- oder drittgrößten Religions- und Kulturgemeinschaft in Europa herangewachsen. Und schon damals stellte sich die Frage, ob und wann der fortgesetzte islamische Zuwachs auf dem Kontinent in eine neue Qualität umschlagen würde. Daß er vor allem durch die Schwäche und Gleichgültigkeit in den europäischen Ländern und nicht zuletzt der Kirchen zu einer machtvollen Mehrheitsreligion werden und den alten Kontinent kultur- und machtpolitisch bedrohen würde, war schon seinerzeit mehr als eine diffuse Ahnung. Stolz war es wichtig, zu klaren Urteilen und Einsichten über den – heute zumeist geleugneten – Zusammenhang zwischen dem Islam als Religion und dem politischen Islamismus zu gelangen. Danach resultiert die Bedrohung daraus, • daß keine andere große Religion derartig politisch und militant ausgerichtet ist; • daß keine andere Religion der Gegenwart durch Mission so schnell wächst wie der Islam; • daß auch keine andere große Religion in Europa so schnellen Zuwachs durch die Fruchtbarkeit ihrer Anhänger zu verzeichnen hat wie er. Die Kommandozentralen des islamistischen Kampfes gegen die westlichen „Kreuzfahrer“ und den „Zionismus“ haben nicht zuletzt die Bedeutung der modernen Medien, insbesondere des Internet und des Fernsehens, als wichtige Instrumente ihrer langfristigen politisch-psychologischen Offensive erkannt. Der revolutionäre Islamismus hat die Strategie der antiimperialistischen Volksbefreiungskriege nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegriffen, insbesondere die „Kunst der Kriegführung“, die etwa Mao Zedong bei dem altchinesischen Feldherrn Sūnzi erlernt hatte. Danach ist es die höchste Kriegskunst, den Willen des Feindes nicht nur durch die Schlacht, sondern vor allem auf politisch-psychologische Weise zu brechen. In diesem Sinne treffen die islamistischen Selbstmordattentate einen militärisch überlegenen, politisch-psychologisch jedoch schwächeren Feind. Diese Kampfweise wird dann von den Nachrichtensendern der islamisch-arabischen Welt wie Al-Dschasira und Al-Arabia mit politisch-psychologischer Intention in alle Welt verbreitet: In der feindlichen Welt, dem europäisch-atlantischen „Dār al-Harb“ („Haus des Krieges“), soll sie Furcht und Schrecken verbreiten; im „Dār al-Islām“, dem „Haus des Islam“, soll sie den Haß auf die unterdrückenden „ungläubigen“ Feinde nähren. So steht am Beginn einer realistischen Politik gegenüber der islamischen Expansion in Europa eine nüchterne Bestandsaufnahme der Lage – und zumal die Einsicht, daß die Hoffnungen auf eine „Integration“ der muslimischen Zuwanderer in die deutsche und europäische „Leitkultur“ mit ihren bisherigen Maßstäben und Maßnahmen gescheitert sind. Statt dessen entstanden islamische Ghettos und Parallelgesellschaften, die von den islamistischen Strategen als Schritte zur Landnahme und politischen Machtdurchsetzung verstanden werden. Nicht zuletzt die geplanten repräsentativen Moscheen sind mächtige Symbole dieses langfristigen Willens. Immerhin nehmen die Stimmen auch in Deutschland zu, die die islamistische Herausforderung als dritte totalitäre Bedrohung nach der bolschewistisch-sowjetischen und der faschistisch-nazistischen erkennen (Friedbert Pflüger) und ihre „faschistischen“, das heißt antidemokratischen und antifreiheitlichen Züge hervorheben (Walter Laqueur). Der Deutsche Autorenrat mit Mitgliedern wie Arnulf Baring, Joachim Fest und Walter Kempowski wandte sich im Blick auf die deutsche Ausländer- und Zuwanderungspolitik bereits 1995 gegen die „Denkverbote und Gebotsschilder politischer Korrektheit“. Doch die Koalition der Interessenten der islamischen Expansion in Europa ist mächtig. Sie reicht von der Lobby des nahöstlichen Öls über jene medialen Kommandohöhen, die jede Kritik am Islamismus als antiislamisch, rassistisch und ausländerfeindlich abzuwürgen versuchen, bis zu jenen, die einen „Dialog um jeden Preis“ predigen. Vor allem aber: Die Deutschen insbesondere bedürfen geistiger Freiheit, um gegenüber medialer Fremdbestimmung ihren Selbstbehauptungswillen zu artikulieren, damit die deutsche Politik in diesem schicksalshaften Bereich überhaupt erst wieder handlungsfähig wird. Der Engländer Benjamin R. Barber hat 1996 in seinem Buch „Jihad versus McWorld“ (deutsch „Coca Cola und Heiliger Krieg“, 1996) auf das seltsame Bündnis zwischen islamischem Fundamentalismus und globalisierter kapitalistischer Profitwirtschaft hingewiesen, das leicht zur Abschaffung von Freiheit und Demokratie im europäisch-atlantischen Westen führen könnte. Angesichts der immer deutlicher werdenden Konturen des islamischen Gottesstaates in Europa gilt es, die schöpferische Kultur Europas gegenüber der spaß-, konsum- und profitsüchtigen Globalbarbarei unserer Tage zu verteidigen. Den entscheidenden Punkt hatte der englische Politiker Lord Marsh schon 1995 vor dem britischen Oberhaus hervorgehoben: „Es ist eine Tatsache, daß die deutsche Paranoia, d. h. Geistesgestörtheit, und das Schuldgefühl über die zwölf fürchterlichen Jahre zwischen 1933 und 1945 bereits übertrieben sind und einen unheilvollen Einfluß auf eine bestimmte Generation gehabt haben. Die Art und Weise, wie manche Deutsche diese Bürde tragen, ja – ich möchte dies nicht als beleidigend aufgefaßt wissen – sich in ihr suhlen, ist nicht gut für Deutschland und somit nicht gut für Europa“. Die dringend gebotenen Konsequenzen für die deutsche Politik liegen demnach auf der Hand: • An erster Stelle steht eine Bevölkerungspolitik, die eigenen Kinderreichtum belohnt und gewollte Kinderlosigkeit rigoros ökonomisch bestraft. • Nicht weitere Einwanderung, insbesondere über den Familiennachzug (mit ihren immensen Folgekosten von der Sozialhilfe bis zur Verbrechensbekämpfung), darf die Leitlinie sein, sondern eine Integration, die deutschen Interessen entspricht, wie dies gerade in den klassischen Einwanderungsländern stets der Fall war. Das langjährige Gewährenlassen einer Zuwanderung vor allem unterer, oft analphabetischer Sozialschichten – etwa aus Anatolien – nach Deutschland zeigt sich jetzt als ein Krisenpotential erster Ordnung für Deutschland und Europa und als Ergebnis einer Politik, die sich in geradezu rüder Weise über die Interessen der deutschen Mehrheitsbevölkerung hinwegsetzte. • In der Religionspolitik gegenüber den eingewanderten Muslimen schließlich hat an die Stelle des bisherigen Ungleichgewichts, wie es durch die Hinnahme des islamischen Moscheebaus bei gleichzeitiger Fortdauer der Christenverfolgungen in den meisten moslemischen Ländern gekennzeichnet wird, absolute Äquivalenz zu treten. Für Staaten wie etwa die Türkei oder Saudi-Arabien ist die realpolitische Wahrnehmung gerade auch der eigenen religionspolitischen Interessen das Selbstverständlichste von der Weit. Sie werden daher das Bestehen auf religionspolitischer Reziprozität in besonderer Weise als klares europäisches Signal verstehen. Gegenüber den immer deutlicher werdenden Konturen des islamischen Gottesstaates in Europa gilt es, die große Aufgabe dieser und der folgenden Generationen zu erkennen und anzupacken: die Verteidigung der schöpferischen Kultur Europas gegenüber der spaß-, konsum- und profitsüchtigen Globalbarbarei unserer Tage (Rolf Stolz) und die Besinnung auf Europas beste Traditionen in Christentum, Humanismus und Aufklärung. Gegenüber dieser großen historischen Aufgabe haben überkommene Gegensätze zwischen Links und Rechts, Christen und skeptischen Freigeistern usw. zurückzutreten. Auch der islamistische Expansionismus kann dann einmal mehr das Geschichtsgesetz der „ungewollten Wirkungen“ in Kraft setzen, und das Erstarken des Islam kann zum Anstoß einer europäischen Renaissance werden. Die Geschichte ist nie eine Einbahnstraße, wie zuletzt der alle Welt überraschende Zusammenbruch des Sowjetkommunismus und die Wiedergewinnung der deutschen Einheit zeigte. Friedrich Hölderlins Wort „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ setzt freilich erst einmal voraus, die Gefahr zu erkennen und zu benennen, um sie bannen zu können. Prof. Dr. Klaus Hornung lehrte Politikwissenschaft an der Universität Hohenheim. Er ist langjähriger Kolumnist der JUNGEN FREIHEIT. Foto: Bibel oder Koran? Eine Besinnung auf Europas beste Traditionen in Christentum, Humanismus und Aufklärung ist dringend erforderlich.

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