Mehr Mut zur Tradition

Geht es Ihnen auch so wie mir? Kurz vor Weihnachten scheint die Hektik, die zu erledigenden Aufgaben einen Kulminationspunkt zu erreichen. Wie am Ende eines Langstreckenlaufes ist der Blick auf die Zielgerade gerichtet. Wir hetzen durch den Alltag und arbeiten „letzte“ Listen ab: Geschenke, Korrespondenz, Jahresabrechnungen. Die Zeit rast einem davon, man weiß gar nicht, wie man noch alles auf einmal schaffen soll. Wie anders sehen dagegen die Kinder die Adventszeit. Zauberhaft verwandelt scheint ihnen die Umwelt. Das Tageslicht zieht sich immer weiter zurück, und um so mehr funkeln in der Dunkelheit überall Sterne und leuchten Kerzen. Selige Vorfreude breitet sich aus. In den Häusern und Wohnungen duftet es nach Bienenwachs, Tannenzweigen und selbstgebackenen Plätzchen. Für Kinder zieht sich die Zeit bis zum Heiligen Abend mit der Bescherung aber in unendliche Länge. Das alte Lied „Morgen, Kinder, wird’s was geben“, allabendlich vor dem Adventskranz gesungen, mit seinem „Dreimal werden wir noch wach …“ greift dies so treffend auf. Mein dreijähriger Sohn fragt mich jetzt: „Warum feiern wir Weihnachten?“ Und: „Warum wurde denn das Kind an Weihnachten geboren?“ Plötzlich erscheint einem selbst alles wieder in einem neuen Licht, es erhält einen neuen Sinn. Zu keiner anderen Jahreszeit wird der Bevölkerung der bundesrepublikanischen multikulturell gewendeten Zivilgesellschaft deutlicher, daß man sich auf einem kulturell christlich bestellten Boden bewegt. Spätestens die nervtötende musikalische Berieselung beim Einkauf im Supermarkt erinnert einen daran. Nun hörte ich aus dem Bekanntenkreis, wie in vorauseilendem Gehorsam an Berliner Schulen bereits Advents-Basare in „Winter-Basare“ und Weihnachts- zu Jahresend-Feiern umgetauft werden. In Amerika heißt der Christbaum immer öfter schon politisch korrekt „Holiday Tree“ … Ein anderes Erlebnis machte mich noch nachdenklicher: In meiner nächsten Umgebung hat jemand sein Kind auf einen evangelischen Kindergarten geschickt. Beim Elternabend wird die anwesende Pfarrerin gefragt, was den Kindergarten eigentlich vom benachbarten staatlichen unterscheide. Sie komme einmal in der Woche zu Besuch und erzähle eine biblische Geschichte, die Kinder bereite man auf christliche Feiertage vor und man singe auch immer mal wieder christliche Lieder, sagt sie. Sie wird gefragt, ob es stimme, daß nicht gebetet werde vor dem Essen – so wie man es zu Hause gewohnt sei. Das werde unterschiedlich gehandhabt, weicht die Pfarrerin aus. Selten also. Später räumt sie ein, daß vor einigen Jahren überhaupt nicht gebetet wurde. An diesem Beispiel wird offenbar, wie sorglos in unseren Institutionen oft mit Traditionen und Wertevermittlung umgegangen wird. In unseren Nachbarschaften breiten sich dynamisch vitale Parallelgesellschaften aus, die um ihre religiöse Tradition wissen, die ihren inneren Zusammenhalt stärkt. Dort werden Haltepunkte gesetzt. Und wir autochthone Deutsche schaffen es zu oft nur mangelhaft, die eigenen Kinder in ein Wertegerüst zu integrieren – wie soll dies dann bei einer ständig wachsenden Zahl von Migranten gelingen? Machen wir uns gegenseitig mehr Mut, das Eigene zu stärken!

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