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Nach Protesten: Türkische Zwangshochzeit: Gymnasium bedauert Aufgabenstellung

Nach Protesten: Türkische Zwangshochzeit: Gymnasium bedauert Aufgabenstellung

Nach Protesten: Türkische Zwangshochzeit: Gymnasium bedauert Aufgabenstellung

Schülerin mit Kopftuch
Schülerin mit Kopftuch
Schülerin mit Kopftuch (Archivbild) Foto: picture alliance/Uwe Anspach/ dpa
Nach Protesten
 

Türkische Zwangshochzeit: Gymnasium bedauert Aufgabenstellung

SIEGBURG. Ein Gymnasium in Nordrhein-Westfalen hat sich nach Rassismus-Vorwürfen für eine Schulaufgabe entschuldigt. Durch die Formulierung in der Aufgabenstallung habe der Eindruck entstehen können, es „würden Stereotypen bewußt gegen eine Minderheit eingesetzt. Dies ist nicht der Fall, und es wird auch niemals der Fall sein“, schrieb das Gymnasium Alleestraße in Siegburg auf seiner Internetseite. Die Schulleitung bedauerte den Vorgang. „Dennoch entschuldigen wir uns bei allen, die sich dadurch verletzt fühlen könnten.“

Im Ethikunterricht war den Schülern folgende Aufgabe gestellt worden: „Ein türkischer Familienvater in Deutschland verheiratet seine Tochter ohne deren Einverständnis mit dem Sohn seines verstorbenen Bruders, um diesem eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland und damit eine Existenz zu sichern.“ Dazu sollten sie den Sachverhalt mit ihren Tischnachbarn besprechen und darüber diskutieren, welche Konflikte daraus entstehen könnten.

Vokabular rechtsradikaler Populisten

Türkische Medien in Deutschland griffen den Fall Anfang Februar auf und teilten ein Foto der Aufgabe in den sozialen Netzwerken. Mitte vergangener Woche protestierte dann die Föderation Türkischer Elternvereine NRW bei Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit einem offenen Brief.

Man sei „fassungslos über eine extrem vorurteilsbehaftete und klischeehafte Aufgabenstellung“, hieß es darin. Es würde suggeriert, Türken würden ihre Töchter gegen deren Willen verheiraten, um so für Verwandte auf illegale Weise gesellschaftliche Vorteile zu erschleichen. Eine solche Aufgabenstellung bediene sich des Vokabulars rechtsradikaler Populisten.

In ihrer Stellungnahme versicherte die Schulleitung, es sei weder die Absicht der Schule noch eines einzelnen Lehrers gewesen, Stereotypen zu nutzen, um dadurch andere zu verletzen. Im Gegenteil: „Das Gymnasium Siegburg Alleestraße ist seit fast 20 Jahren Mitglied von ‘Schule ohne Rassismus’, und das nehmen wir als Auftrag und Verpflichtung ernst. Wir sind eine offene, tolerante und internationale Schule. Das wird so bleiben.“

Gegen jede Diskriminierung

Und weiter: „Sollte sich jemand wegen seiner Herkunft, sexuellen Orientierung oder Zugehörigkeit zu einer Minderheit benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlen: Wir sind da, und wir werden gemeinsam dagegen kämpfen. Immer und für jeden.“

Zudem veröffentlichte sie eine Collage mit den Fotos mehrere Lehrer und der Schulleiterin, auf denen diese jeweils ein Blatt Papier mit einem Wort in die Kamera hielten. Die Botschaft lautete: „An unserer Schule schätzen und leben wir Vielfalt. Jede Form von Rassismus, Sexismus, Vorurteilen oder sonstiger Benachteiligung lehnen wir strikt ab.“ (krk)

Schülerin mit Kopftuch (Archivbild) Foto: picture alliance/Uwe Anspach/ dpa
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