Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einer Dresdner Klinik
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einer Dresdner Klinik Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael

Steigende Inzidenz und Astrazeneca-Unsicherheit
 

Politiker und Wissenschaftler wollen wieder härtere Einschränkungen

BERLIN. Mehrere Politiker und Wissenschaftler haben eine Rücknahme der jüngsten Lockerungen der Corona-Einschränkungen gefordert. Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte die ersten Lockerungsversuche von Bund und Ländern vor zwei Wochen für gescheitert. Dies sei ein Fehler gewesen und müsse abgebrochen werden, sagte Kretschmer laut dem Evangelischen Pressedienst am Dienstag abend auf einer Veranstaltung zur psychischen Gesundheit in der Pandemie in Dresden.

Politische Entscheidungen beeindruckten das Virus kaum. „Wir müssen möglichst schnell wieder auf einen wissenschaftlichen Weg kommen“, forderte der CDU-Politiker. Es brauche zudem mehr Sicherheit durch mehr Tests. Erst dann könnten weitere Einschränkungen zurückgenommen werden.

„Wir müssen jetzt bundesweit die Notbremse ziehen“

Deutlich hatte sich zuvor der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geäußert. „Wir müssen jetzt bundesweit die Notbremse ziehen und zurück in den Lockdown“, sagte er t-online. „Es nützt nichts, jetzt zu warten, bis die Inzidenz überall über 100 liegt. Das exponentielle Wachstum ist zurück, wir wissen, daß die Zahlen weiter steigen werden.“

Auch aus der Wissenschaft kommen ähnliche Warnungen. „Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben wie um Weihnachten herum“, mahnte der Virologe Christian Drosten in seinem Podcast „Coronavirus-Update“. Die Lage werde sich dann im weiteren Verlauf „drastisch erschweren“. Besonders „brenzlig“ werde es für die weitgehend noch nicht geimpften Personen ab 50 Jahren.

Der Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis, sprach sich ebenso für einen sofortigen härteren Lockdown aus. Das Ziel müsse sein, zumindest eine starke dritte Welle zu verhindern, sagte Karagiannidis im RBB. „Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5.000, 6.000 Patienten auf der Intensivstation sehen.“

Bund und Länder wollen geplanten Öffnungsschritt zurücknehmen

Unterdessen gibt es auch erste Meldungen, wonach Bund und Länder bei ihrem nächsten Treffen am kommenden Montag den ursprünglich geplanten vierten Öffnungsschritt aussetzen werden. Dieser sah vor, daß ab dem 22. März Thater, Konzerte und Restaurants im Außenbereich öffnen dürfen. Kanzleramt und Länder sorgten sich jedoch wegen der Unsicherheit beim Astrazeneca-Impfstoff und den zuletzt wieder steigenden Infektionszahlen, berichtete das Wirtschaftsmagazin Business Insider unter Berufung auf Regierungsmitglieder.

Dazu paßt die Entscheidung Berlins und Brandenburgs, die am Dienstag die geplanten Öffnungsschritte gestrichen hatten. „Ich glaube, es wird für viele Menschen schwieriger zu akzeptieren, daß es ein Hin und Her gibt“, teilte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) laut der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Senat habe daher entschieden, an den geltenden Regelungen festzuhalten und „daß wir uns aber weitere Dinge derzeit nicht zutrauen können“. (ls)

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in einer Dresdner Klinik Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael
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