Joachim Kuhs
Durchgestrichenes Maskenpflicht-Schild in München
Durchgestrichenes Maskenpflicht-Schild in München Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

Corona-Einschränkungen
 

Länder lockern Maskenpflicht: Wissenschaftler warnen

BERLIN. Wissenschaftler haben vor einer generellen Aufhebung der Maskenpflicht gewarnt. „Wenn wir nach dem Wegfall der Testpflicht in vielen Situation nun auch noch die Maskenpflicht fallen lassen, sind wir im Grunde in einem ungestörten Leben wie vor der Pandemie“, sagte der Physiker Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation laut der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Das Virus sei aber noch da und aufgrund der Mutationen wesentlich infektiöser. „Warum soll die Pandemie dann nicht wiederkommen?“ Ähnlich sieht das Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. „In der Tat droht – siehe Großbritannien – eine vierte Welle, wenn Maßnahmen sehr weitgehend beendet werden.“

Spahn für schrittweise Lockerung

Auch die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, spricht sich dafür aus, zumindest drinnen weiterhin Maske zu tragen. „Es geht hier auch um den Schutz vor ansteckenderen neuen Varianten des Virus.“ Der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforscher, Christof Asbach, fände eine Entscheidung für die Aufhebung der Maskenpflicht im Freien nachvollziehbar. Er rief jedoch dazu auf, sich unabhängig von Vorgaben in kritischen Situationen zu schützen. Laut dem Robert-Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell deutschlandweit unter 17.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich für eine stufenweise Lockerung der Maskenpflicht aus. In einem ersten Schritt könne sie draußen entfallen, in Regionen mit sehr niedrigen Inzidenzwerten und mit hoher Impfquote dann nach und nach drinnen, sagte er der Funke-Mediengruppe. „Als Empfehlung bleibt in jedem Fall eine einfache Regel: im Zweifel mit Maske – besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen.“

Söder mahnt zur Zurückhaltung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, die Maskenpflicht im Freistaat auch trotz sinkender Inzidenzen vorerst nicht auszusetzen. „Ich rate da zur Zurückhaltung.“ Die Öffnungsschritte in Bayern seien erst eine Woche alt und es sei noch nicht absehbar, wie sich diese auswirkten. Auch Baden-Württemberg will die Pflicht der Landesregierung zufolge vorerst nicht aussetzen, in die nächste Überarbeitung der Corona-Verordnung aber eine neue Systematisierung einbauen, bei der zwischen Innenräumen und Außenbereichen unterschieden werde.

Im Gegensatz dazu sprach sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) für Lockerungen bei der Maskenpflicht aus. „Draußen denke ich schon, daß wir uns jetzt doch sehr schnell mehr zutrauen können“, sagte Müller am Montag im ARD-„Mittagsmagazin“. Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will dem Senat am morgigen Dienstag laut Welt vorschlagen, die Maskenpflicht im Freien aufzuheben. Bislang gilt diese an mehreren viel frequentierten Straßen und Plätzen.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein: Gibt noch keine Entwarnung

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) riet zur Vorsicht: „Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, die Pandemie sei vorbei“, sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Man könne noch nicht auf das Tragen der Maske verzichten, hatte zuvor im NDR betont. Zur Begründung gab er an, daß das Coronavirus höchstwahrscheinlich zu einem dauerhaften Phänomen werde und die Maskenpflicht mit Blick auf Mutationen von Sars-CoV-2 weiterhin ein wichtiges Instrument sei.

Ähnlich sieht es Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). In einer Pressekonferenz am Freitag verwies er auf die sehr geringen Inzidenzwerte in seinem Bundesland, weswegen auch die Maskenpflicht vor Einzelhandelsgeschäften und auf Parkplätzen entfalle. Doch es gebe noch keine Entwarnung. Deswegen bleibe unter anderem die Maskenpflicht in der letzten Schulwoche bestehen.

Nordrhein-Westfalen denkt über teilweise Aufhebung nach

In Nordrhein-Westfalen muß man seit Samstag im öffentlichen Nahverkehr keine FFP2-Maske mehr tragen, es reicht eine sogenannte medizinische Maske (OP-Maske). Nach Ansicht von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) könne in bestimmten Außenbereichen auf die Maske zum Schutz vor Corona-Infektionen ganz verzichtet werden.

„Es gibt aber auch Bereiche, in denen wir vorerst weiterhin an der Maskenpflicht festhalten sollten, beispielsweise bei größeren Menschenansammlungen wie etwa in Warteschlangen“, teilte Laumann am Montag mit. Der Minister warnte vor übereilten Schritten. „Die Pandemie ist nicht vorbei und die Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien zeigt, wie zerbrechlich auch eine scheinbar sichere Infektionssituation sein kann.“ (ls/hl)

Durchgestrichenes Maskenpflicht-Schild in München Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
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