Blick in den leeren Kölner Dom: Das Erzbistum Köln rechnet mit einer Rekordzahl von Kirchenaustritten Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Blick in den leeren Kölner Dom: Das Erzbistum Köln rechnet mit einer Rekordzahl von Kirchenaustritten Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Christliche Konfessionen
 

Erzbistum Köln rechnet mit Rekordzahl von Kirchenaustritten

KÖLN. Das Erzbistum Köln hat mit einer neuen Rekordzahl von Kirchenaustritten zu kämpfen. Ausgehend von Erhebungen des Amtsgerichts Köln ist damit zu rechnen, daß sich bis Jahresende insgesamt rund 50.000 Katholiken von ihrer Kirche verabschieden, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger. Im bisherigen Rekordjahr 2019 waren es 24.298 Fälle.

Die Schätzung basiert auf den für die Stadt Köln bislang registrierten 15.339 Austritten in den ersten drei Quartalen des Jahres und den 3.000 gebuchten Gesprächsterminen in den Monaten Oktober bis Dezember. Hinzu kommen Hunderte notariell beglaubigte Austrittserklärungen. In der Domstadt selbst werden demnach in diesem Jahr rund 20.000 Gläubige beider Konfessionen ihren Kirchen den Rücken kehren.

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine äußerte, ähnliche Entwicklungen gebe es auch in anderen Bistümern. Vor dem Hintergrund des Kölner Mißbrauchsskandals sprächen Bischöfe davon, daß die gesamte Kirche in Deutschland für die Zustände in Köln in Mithaftung genommen werde.

Kardinal Woelki nimmt Auszeit

Im Zusammenhang mit Mißbrauchsfällen durch Geistliche war der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in die Kritik geraten. So soll er einen Priester befördert haben, obwohl er von dessen Taten gewußt habe. Woelki befindet sich auf eigenen Wunsch von Oktober bis März in einer Auszeit. Anfang des Jahres hatte er Fehler bei der Aufarbeitung der Kölner Mißbrauchsfälle eingeräumt.

Der Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, Gregor Stiels, rechnete nach der Rückkehr Woelkis aus seiner Auszeit nicht mit neuen Impulsen von ihm. „Der Kardinal soll die Chance haben, zu sagen, was ihm eingefallen ist. Aber mir fehlt die Fantasie, was das sein sollte – außer Durchhalteparolen und einer Politik der kleinen Schritte.“

Auch evangelische Kirche bemüht sich um Aufarbeitung

Unterdessen zeigte sich der scheidende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, unzufrieden mit der Aufarbeitung von Verfehlungen auch in seiner Kirche. „Wir haben es versucht. Aber ich bin trotz aller Anstrengungen und allem Erreichten nicht zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Trotz eingeleiteter Maßnahmen sei es nicht gelungen, verlorenes Vertrauen bei den Gläubigen wieder zu gewinnen.

Bedford-Strohm, der zugleich bayerischer Landesbischof ist, führte weiter aus: „Die Fälle sexualisierter Gewalt in unserer Kirche belasten mich extrem. Deshalb bedauere ich sehr, daß wir in meiner Amtszeit als Ratsvorsitzender trotz aller Anstrengungen nicht noch weitergekommen sind.“ Zugleich wandte er sich an die katholische Kirche und forderte sie auf, bei der Aufarbeitung ebenfalls nicht nachzulassen. (ag)

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