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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gerät kirchenintern unter Druck Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gerät kirchenintern unter Druck Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Erzbistum Köln
 

Aufarbeitung von Mißbrauchsfällen: Kardinal Woelki gibt Fehler zu

KÖLN. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufarbeitung von Mißbrauchsfällen in seinem Erzbistum eingeräumt. „Wir haben Fehler gemacht, wir haben Vertrauen verspielt. Deshalb verstehe ich es emotional auch, wenn Leute glauben, wir würden die Zeit nutzen, um etwas unter den Teppich zu kehren“, sagte er der Kölnischen Rundschau.

Woelki war unter anderem vorgeworfen worden, er habe den Mißbrauchsfall eines mit ihm befreundeten Priesters 2015 nicht untersucht und dem Vatikan gemeldet. Der Kardinal erklärte, er sei „persönlich der Überzeugung, daß ich mich korrekt verhalten habe“. Jedoch sei seine Einschätzung nicht entscheidend. „Ich werde mich natürlich meiner Verantwortung stellen.“

Derzeit warte man auf ein Rechtsgutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke zu den Mißbrauchsfällen. Dadurch soll ein angeblich fehlerbehaftetes älteres Gutachten des Münchner Rechtsanwalts Ulrich Wastl dazu ersetzt werden.

Druck auf Woelki wächst

Um das Gutachten von Wastl tobt derzeit ein Streit. Der Jurist aus der bayerischen Landeshauptstadt forderte Woelki unlängst in der Zeit-Beilage Christ & Welt dazu auf, sein Gutachten zu veröffentlichen. Dann könne sich jeder ein Bild über die Vorgänge im Erzbistum machen. Zudem lege Wastl wert darauf, bei der Erstellung „nicht gepfuscht“ zu haben.

Wegen der Angelegenheit war Woelki auch kirchenintern unter Druck geraten. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der zugleich kirchlicher Mißbrauchsbeauftragter ist, beklagte laut der Zeitung Trierischer Volksfreund, das Verhalten der offiziellen Stellen rund um die Vorgänge schüre Mißtrauen unter den Menschen. So hatte der Kölner Stadt-Anzeiger Ende Januar von steigenden Kirchenaustritten in der Domstadt berichtet.

Woelki stellt sich gegen AfD

Laut der Katholischen Nachrichten-Agentur wandten sich in dem Zusammenhang mehr als 50 Geistliche in Briefen an die Leitung des Erzbistums Köln. Sie kritisierten demnach einen Glaubwürdigkeitsverlust und fühlten sich in einen Loyalitätskonflikt gezogen.

Kardinal Woelki hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt gegen die AfD und für die Aufnahme von Flüchtlingen positioniert. Bereits 2016 hatte er verlangt, daß sogenannte Hetze im Internet bestraft werden müsse. (ag)

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gerät kirchenintern unter Druck Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres
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