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Armin Laschet während seiner Bewerbungsrede auf dem Digitalparteitag in Berlin
Armin Laschet während seiner Bewerbungsrede auf dem Digitalparteitag in Berlin Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Merz und Röttgen unterliegen
 

Armin Laschet ist neuer CDU-Chef

BERLIN. Armin Laschet ist zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden. Der nordhrein-westfälische Ministerpräsident setzte sich in der Stichwahl auf dem Digitalparteitag am Sonnabend in Berlin gegen den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz durch. Laschet erhielt 521 der 991 Stimmen, Merz 466. Vier Delegierte enthielten sich.

Im erstern Durchgang hatte Merz mit 385 Stimmen knapp vor Laschet gelegen, der 380 Delegierten-Stimmen erringen konnte. Röttgen schied mit 224 Stimmen aus. Merz erhielt damit weniger Stimmen als auf dem Parteitag in Hamburg 2018, als er Annegret Kramp-Karrenbauer unterlegen war. Die Abstimmung muß nun per Briefwahl bestätigt werden, da die rein digitale Abstimmung als rechtlich unsicher gilt.

Merz will Bundeswirtschaftsminister werden

Merz kündigte nach seiner Niederlage an, er stünde bereit, den Posten des Bundeswirtschaftsministers zu übernehmen. „Dem neuen Parteivorsitzenden habe ich angeboten, in die jetzige Bundesregierung einzutreten und das Bundeswirtschaftsministerium zu übernehmen“, sagte Merz der Nachrichtenagentur Reuters.

Zudem begründete er, warum er nicht für das CDU-Präsidium kandidiert habe. „Die CDU kann nicht nur von Männern aus Nordrhein-Westfalen geführt werden. In das Präsidium wären bei meiner Bewerbung noch weniger Frauen gewählt worden. Ich habe mich deshalb entschlossen, zugunsten der Frauen auf eine Kandidatur zu verzichten.“

Laschet: „Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte stark bleiben“

Laschet sprach in seiner Bewerbungsrede zunächst über seinen Vater, einen Bergmann. Unter Tage habe man seinen Kollegen vertrauen müssen, egal welcher Herkunft jemand gewesen sei. Ein solches Vertrauen sei in den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps zerstört worden. Er betonte, man müsse nicht polarisieren. Am Ende komme es darauf an, Kompromisse zu suchen. „Manche nennen das: weiter so.“

Die CDU sei keine „One-Man-Show“. Allerdings spiegle die Partei nicht mehr die gesamte Breite der Bevölkerung wider. Dies wolle er ändern. „Wir brauchen mehr Frauen, ihre Meinung, ihre Stärke, ihre Erfahrungen, ihr Wissen. Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte stark bleiben.“ Laschet erwähnte in seiner Rede auch noch einmal, daß er im Team mit Gesundheitsminister Jens Spahn antrete.

Außerdem stellte er mit Blick auf Merz klar: Das Land brauche keinen Vorstandsvorsitzenden, keinen CEO. „Jeder kann groß sein, jeder kann glänzen.“ Laschet lobte die Politik Angela Merkels. Seitdem sie regiere, würde niemand mehr von Deutschland als den „kranken Mann Europas“ sprechen. Zugleich relativierte er: Die CDU werde aber nicht für die Verdienste in der Vergangenheit gewählt.

Merz: „Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht“

Friedrich Merz verläßt die Bühne
Friedrich Merz verläßt die Bühne Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Friedrich Merz betonte den Führungsanspruch der CDU. „Wir sind fest entschlossen, die Bundesregierung wieder zu führen.“ Mit Verweis auf die jüngsten Krisen sagte er, das Land werde morgen nicht untergehen. Zugleich verdeutlichte er: „Nach Corona wird es kein Zurück geben zur alten Normalität.“ Man müsse auf die Technologie bauen.

Überdies ging Merz auf seine Rolle in der Partei ein, sollte er CDU-Chef werden. „Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht.“ Anschließend erwiderte er die Kritik gegen ihn im Hinblick auf seine gesellschaftspolitischen Ansichten. „Lassen Sie mich noch ein Wort zu den Frauen sagen“, begann er. Seine Ehefrau hätte ihn nicht vor 40 Jahren geheiratet, wenn er ein rückständiges Frauenbild gehabt hätte, erklärte Merz. Auch seine Töchter hätten ihm längst darauf angesprochen, sollte dies anders sein.

Auch Merz lobte den angeblich integrativen Anspruch der CDU. Diese sei die einzige Partei, die die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander ausspiele.

Röttgen: „Ich bin kein Lager“

Norbert Röttgen schied im ersten Durchgang aus
Norbert Röttgen schied im ersten Durchgang aus Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Odd Andersen

Norbert Röttgen, der als letzter der drei Kandidaten sprach, forderte: „Wir müssen jünger und weiblicher werden.“ Er traue sich zu, neue „Wählerinnen und Wähler für die CDU zu gewinnen“. Erfolg gebe es nur als Mannschaft. „Ich bin kein Lager. Ich möchte integrieren. Ich kann integrieren.“

Zugleich betonte er die Wichtigkeit der Wirtschaft. Deren Wiederaufbau nach der Corona-Krise müsse auch auf der Agenda stehen. „Eine Partei, die nichts von der Wirtschaft versteht, wird auch für den Klimaschutz nichts erreichen.“ Klimaschutz und Wirtschaft müßten zusammengehen. „Wohlstand muß zuerst geschaffen werden, bevor er verteilt werden kann.“

Auch Röttgen verwies auf den Führungsanspruch der CDU. Das Land brauche diese Partei. „Wir werden alles geben, aus Liebe zu unserem Vaterland.“ (ls)

Armin Laschet während seiner Bewerbungsrede auf dem Digitalparteitag in Berlin Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
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