Flüchtlinge Arbeit
Flüchtlinge arbeiten bei VW: Laut einer Studie hat jeder zweite Flüchtling einen Job Foto: picture alliance/Ole Spata/dpa
Integration und Fachkräfte

Studie der Arbeitsagentur: Hälfte der Flüchtlinge hat Arbeit

BERLIN. Die Hälfte der in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge hat laut einer Studie eine Arbeitsstelle. „Fünf Jahre nach dem Zuzug sind 49 Prozent, also knapp die Hälfte der Geflüchteten, erwerbstätig, gut 80 Prozent davon sozialversicherungspflichtig“, sagte der Migrationsforscher Herbert Brücker dem Tagesspiegel und verwies auf den Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das Institut ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

Auch nähmen die Flüchtlinge schneller als vor 2013 eine Arbeit auf, so Brücker, der den Forschungsbereich Migration und Integration am IAB leitet. „Das hat vermutlich damit zu tun, daß wir jetzt mehr für sie tun: Wir bieten Sprach- und Integrationsprogramme an, das gab es früher nicht oder nicht in diesem Umfang.“ Das erhöhe die Beschäftigungschancen.

Dem Bericht nach üben 57 Prozent der Flüchtlinge eine qualifizierte Tätigkeit als Fachkraft aus. Dabei hätten nur 25 Prozent einen Hochschulabschluß oder eine Berufsausbildung. Brücker erläuterte, viele Flüchtlinge hätten in ihren Heimatländern berufliche Qualifikationen durch Training im Beruf erhalten, anstatt wie hierzulande eine Ausbildung zu durchlaufen. „Mittelfristig ist zu erwarten, daß Geflüchtete noch etwas stärker in anspruchsvolleren Tätigkeiten vertreten sein werden.“

Viele Syrer beziehen Hartz IV

Noch im vergangenen Jahr hieß es von der Bundesagentur für Arbeit allerdings, daß rund drei Viertel aller Syrer im erwerbsfähigen Alter in Deutschland Hartz IV beziehen. Laut einer Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Rene Springer erhielten 74,9 Prozent der syrischen Flüchtlinge Transferleistungen.

Die Arbeitslosenquote für syrische Staatsbürger lag im Juni vergangenen Jahres bei 44,2 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 49,6 Prozent. Wer einen Integrationskurs oder einen Berufssprachkurs besucht, wird nicht als Arbeitsloser gezählt, sondern als „Unterbeschäftigter“. Hartz IV erhält auch, wer so wenig verdient, daß er seinen Lebensunterhalt davon nicht allein bestreiten kann. Syrer stellen seit 2015 regelmäßig die größte Gruppe aller neu nach Deutschland kommenden Asylbewerber und Flüchtlinge.

17 Prozent Analphabeten in Integrationskursen

In der Vergangenheit hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche verkündet: „Die meisten Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und hoch motiviert“ und überdies von einem möglichen „neuen Wirtschaftswunder“ durch sie gesprochen. Eine Studie hatte im März vergangenen Jahres ergeben, daß die während der Asylkrise nach Deutschland gekommenen Einwanderer in einen Intelligenztest wie einheimische Hauptschüler abschnitten.

Anfang Februar hatte der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Hans-Eckard Sommer, bestätigt, daß 17 Prozent der Migranten in Integrationskursen Analphabeten seien. Dabei handele es sich um vorwiegend um Flüchtlinge, äußerte er gegenüber der Rheinischen Post. Jedoch sei deren Motivation, etwas zu lernen, besonders hoch. (ag)

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