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Kanzlerin Merkel bei ihrer 16. Neujahrsansprache
Kanzlerin Merkel bei ihrer 16. Neujahrsansprache: „Es trifft uns da, wo wir am allermenschlichsten sind“ Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber

„Voraussichtlich letzte Neujahrsansprache“
 

Merkel stimmt Bürger auf harte Zeiten ein und lobt „Kraft der Vielfalt“

BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Deutschen in ihrer 16. Neujahrsansprache auf harte Wintermonate aufgrund der Corona-Pandemie eingestimmt. „Diese Tage und Wochen, da gibt es nichts zu beschönigen, sind schwere Zeiten für unser Land. Und so wird es auch noch eine ganze Weile bleiben“, sagte Merkel laut dem vorab verbreiteten Redemanuskript. Es werde noch eine ganze Zeit an den Bürgern liegen, wie das Land durch die Krise komme. „Der Winter ist und bleibt hart.“

Im abgelaufenen Jahr sei „etwas über uns gekommen, womit die Welt nicht gerechnet hatte“, ergänzte die CDU-Politikerin. „Es trifft uns da, wo wir am allermenschlichsten sind: im engen Kontakt, in der Umarmung, im Gespräch, beim Feiern.“ Merkel nannte die Pandemie eine „politische, soziale, ökonomische Jahrhundertaufgabe“. Es sei eine „historische Krise, die allen viel und manchen zu viel auferlegt hat“.

„Kraft der Vielfalt, die Fortschritt bringe“

Die Kanzlerin betonte, daß der erste verläßliche Corona-Test und der erste in Europa zugelassene Impfstoff in Deutschland entwickelt worden seien. Die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech, das zusammen mit dem US-Partner Pfizer ein Vakzin produzieren, hätten Merkel berichtet, daß Menschen aus 60 Nationen in ihrem Unternehmen arbeiteten. „Nichts könnte besser zeigen, daß es die europäische und internationale Zusammenarbeit, daß es die Kraft der Vielfalt ist, die den Fortschritt bringt.“

Ausdrücklich ging die CDU-Politikerin auf die aus ihrer Sicht „Unverbesserlichen“ ein, die das Virus leugneten. Verschwörungstheorien seien „nicht nur unwahr und gefährlich“, sondern auch „zynisch und grausam“ jenen Menschen gegenüber, die in der Pandemie Angehörige verloren hätten. „Am Ende dieses atemlosen Jahres heißt es auch, einmal innezuhalten – und zu trauern.“ Die Gesellschaft dürfe nicht vergessen, „wie viele einen geliebten Menschen verloren haben, ohne ihm in den letzten Stunden nah sein zu können“.

Kanzlerin will sich impfen lassen

Mit Blick auf die am Sonntag begonnene Impfkampagne sagte Merkel, die Hoffnung habe seit wenigen Tagen auch Gesichter. „Es sind die Gesichter der ersten Geimpften, der ganz Alten und ihrer Pfleger und Pflegerinnen, des medizinischen Personals auf den Intensivstationen – nicht nur bei uns, sondern in allen europäischen und vielen anderen Ländern.“ Auch sie werde sich impfen lassen, sobald sie an der Reihe sei, kündigte die Kanzlerin an.

Sie beendete ihre Rede mit persönlichen Worten. Da sie bei der Bundestagswahl im September nicht wieder antrete, sei es „heute aller Voraussicht nach das letzte Mal, daß ich mich als Bundeskanzlerin mit einer Neujahrsansprache an Sie wenden darf“. Nie zuvor in ihrer Kanzlerschaft habe sie ein so sorgenvolles Jahr erlebt. Dennoch habe sie noch nie mit so viel Hoffnung dem neuen Jahr entgegengesehen.

Merkels Neujahrsansprache wird am Silvesterabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt. Gegen 19.15 Uhr im ZDF und dann in der ARD nach der „Tagesschau“ um 20.10 Uhr. Parallel dazu ist sie auch im Livestream sowie in den dritten Programmen geplant. (ls)

Kanzlerin Merkel bei ihrer 16. Neujahrsansprache: „Es trifft uns da, wo wir am allermenschlichsten sind“ Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber
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