Joachim Kuhs
RKI-Chef Lothar Wieler
RKI-Chef Lothar Wieler Foto: picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler

Umfrage und neuer Höchststand
 

Mehrheit will schärfere Corona-Maßnahmen

BERLIN. Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich für härtere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie aus. Fast der Hälfte (49 Prozent) gehen die zuletzt weiter verschärften Regelungen nicht weit genug, hat eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-„Politbarometer“ ergeben. Dies entspricht einem Plus von 18 Prozentpunkten im Vergleich zu vor zwei Wochen.

13 Prozent (minus vier Punkte) der Befragten gaben an, für sie seien die aktuellen Corona-Vorschriften übertrieben und 35 Prozent (minus 15 Punkte) halten sie gerade richtig. Eine deutliche Mehrheit von 82 Prozent unterstützt demnach auch die vorige Woche beschlossene Verlängerung des sogenannten Teil-Lockdowns bis zum 10. Januar kommenden Jahres. 17 Prozent zeigten sich nicht einverstanden. Zudem gibt es im Vergleich zu vor zwei Wochen eine Mehrheit unter denen, die Lockerungen an Weihnachten kritisieren. Dasselbe gilt für nächtliche Ausgangssperren in Stadt- und Landkreisen.

Mehrheit notfalls für „Shutdown“

ZDF-„Politbarometer“: Mehrheit für härtere Corona-Maßnahmen
ZDF-„Politbarometer“: Mehrheit für härtere Corona-Maßnahmen Foto: obs/ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Sollten die Infektionszahlen in den kommenden Wochen nicht zurückgehen, dann wollen 73 Prozent der Deutschen einen harten „Shutdown“ ähnlich wie im Frühjahr. Dazu gehören auch Schul-, Kita- und Geschäftsschließungen mit Ausnahme von Läden für den Grundbedarf. Gegen einen solchen Kurs sprechen sich 24 Prozent der Befragten. Eine Mehrheit gegen einen „Shutdown“ gibt es demnach unter AfD-Anhängern (54 zu 43 Prozent).

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) erreichte Deutschland am Donnerstag mit 23.679 neuen Corona-Infizierten binnen 24 Stunden einen neuen Höchstwert. Die Zahl der Toten habe die Marke von 20.000 überschritten, teilte das RKI mit. Vor allem steige derzeit die Zahl der Neuinfektionen. In Pflegeheimen gebe es fast doppelt so viele Ausbrüche in Pflegeheimen wie im Frühjahr.

RKI-Chef: Sehe „keine andere Möglichkeit“ mehr als harten „Lockdown“

RKI-Chef Lothar Wieler appellierte in einer Pressekonferenz am Donnerstag vormittag an die Deutschen, die Kontakt weiter einzuschränken. Wer Symptome einer Atemwegserkrankung habe, solle fünf Tage zu Hause bleiben. Die Entwicklung sei nicht so, wie er sie sich gewünscht hätte. Allerdings stehe man dem Virus nicht machtlos gegenüber, führte Wieler aus. Die Entwicklungen in Belgien und Irland hätten gezeigt, daß es eine Kontaktreduzierung von mehr als 60 Prozent brauche. Dazu sehe er nahezu „keine andere Möglichkeit“ mehr als einen harten „Lockdown“.

In den vergangenen Tagen und Stunden hatten mehrere Bundesländer beschlossen, die ursprünglich geplanten Lockerungen der Corona-Maßnahmen an Weinachten rückgängig zu machen. Sachsen will ab kommenden Montag wieder Schulen, Kitas und den Einzelhandel ähnlich wie im Frühjahr komplett schließen. Einen ähnlichen Weg schlägt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert deutschlandweit härtere Einschränkungen. (ls)

RKI-Chef Lothar Wieler Foto: picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler
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