Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz beim Forum Mittelstand Foto: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa
Verrohung der Sprache

Gauland kritisiert „Gesindel“-Vorwurf von Friedrich Merz

BERLIN. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alexander Gauland, hat die Äußerungen von Friedrich Merz (CDU), der AfD-Politiker als „Gesindel“ bezeichnet hatte, scharf kritisiert. „Die Abwertung der AfD und ihrer Wähler als Gesindel durch Friedrich Merz ist völlig unakzeptabel“, sagte Gauland. Konservativ oder gar bürgerlich sei dies nicht.

Er rate Merz, „im Kampf um die Macht in der CDU möglichst schnell zu einem sachlichen Ton zurückzukehren“. Gauland weiter: „Die Abwertung der AfD und ihrer Wähler als ‘Gesindel‘ durch Friedrich Merz ist völlig unakzeptabel. Gerade in politisch aufgewühlten Zeiten, in der sich Angriffe auf Parteibüros und Bedrohungen von Politikern häufen, ist es unverantwortlich und fahrlässig, sich gegenüber der politischen Konkurrenz derart im Ton zu vergreifen.“

CSU nannte AfD „braunen Schmutz“

Merz hatte am Donnerstag bei einem Auftritt beim „Forum Mittelstand“ die Partei „Die Republikaner“ als „Gesindel“ bezeichnet, die nur wegen der „Einheitswahl“ 1990 nicht in den Bundestag gewählt worden sei. „Jetzt stehen wir wieder da: 20,30 Jahre später und haben diese Leute da sitzen.“ Dies sei etwas, das ihn „wirklich bewegt, auch vor dem Hintergrund unserer Geschichte“. Wenn er dazu beitragen könne, „daß dieses Gesindel wieder verschwindet, dann leiste ich diesen Beitrag“, sagte er.  Später bedauerte er laut der FAZ seine Äußerung. Er sei emotional geworden, habe aber nicht die Wähler der AfD beschimpfen wollen, stellte Merz klar.

Am Freitag wollte Merz seine Einlassungen hingegen ganz anders verstanden wissen. „Ich habe gestern in Berlin im Zuge einer Diskussion über Rechtsradikalismus und gewaltbereite Demonstranten dieses Wort verwendet, damit aber natürlich keineswegs gewählte Abgeordnete oder Wählerinnen und Wähler irgendeiner Partei gemeint.“

Es ist nicht die erste sprachliche Entgleisung eines Unionspolitikers mit Bezug auf die AfD. Der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), hatte die AfD einst als „giftigen Abschaum“ bezeichnet. Die CSU hatte in einem Strategiepapier vor der Landtagswahl in Bayern die AfD „braunen Schmutz“ genannt, der „in Bayern nichts verloren habe“. Erst zu Beginn der Woche beschimpfte der frühere CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok die WerteUnion als „Krebsgeschwür“. (tb)

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz beim Forum Mittelstand Foto: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

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