Extinction Rebellion
Mitglieder von „Extinction Rebellion“ während einer Demonstration: Das Coronavirus stiehlt ihnen die Aufmerksamkeit Foto: picture alliance/TT NEWS AGENCY
Bedeutungsverlust durch die Pandemie

Coronavirus bremst Klimaschützer aus

So zynisch es sich anhören mag: Eigentlich könnten Klimaschützer in Zeiten des Coronavirus zufrieden sein. Das Jahr 2020 sei entscheidend, hatte die Symbolfigur der „Fridays for Future“-Bewegung, Greta Thunberg, bereits vergangenes Jahr angemahnt. Die weltweite Emissionskurve müsse ab dann drastisch nach unten gehen.

In Zeiten von Corona wird dafür einiges getan. Flugzeuge bleiben am Boden. Ausgangssperren. Der Massentourismus kommt zum Erliegen. Dennoch hatten sich die Anhänger von „Fridays for Future“, „Extinction Rebellion“ oder „Ende Gelände“ dieses Jahr vollkommen anders vorgestellt.

Besonders die linksradikale Organisation „Ende Gelände“ (EG) hatte große Pläne. Im Sommer 2020 wollten sie gemeinsam mit Leuten aus dem Umfeld der Interventionistischen Linken (IL) die Infrastruktur einer deutschen Großstadt lahmlegen. Mindestens 10.000 Demonstrationsteilnehmer habe man dafür mobilisieren wollen, plante unter anderem, den Frankfurter Flughafen oder den Hamburger Hafen mehrere Tage zu blockieren.

Shell sollte Ausweichziel der Klimaschützer werden

Der Frankfurter Flughafen ist nun annähernd lahmgelegt. Auch allen anderen Flughäfen geht es so. Aber COVID-19 hat der Organisation die Show gestohlen. Keine Demos, keine Proteste in Innenstädten. So war das nicht vorgesehen.

Daher sollte nun der Shell-Konzern während seiner Jahreshauptversammlung eine Abreibung bekommen und blockiert werden. Doch auch aus diesem Unterfangen der fanatisierten Klimaschützer rund um „Ende Gelände“ wurde nichts. Der Mineralölkonzern mußte dem Virus ebenfalls Tribut zollen und seine Versammlung abblasen. Nun will man am kommenden Samstag zumindest per Internet protestieren.

Die oft sektenartig auftretende Bewegung „Extinction Rebellion“ versucht unterdessen, die Aufmerksamkeit mit dem Anlegen von Blumenbeeten auf Parkplätzen zu erlangen und gab sich „schockiert“, nachdem etwa in der nordrhein-westfälischen Stadt Soest die Kommunalbetriebe die in palettenartigen Konstruktionen angelegten Beete wieder entfernten. Man möchte nicht, daß die Beete auf dem Müll landen. Das wäre Ressourcenverschwendung, beschwerte sich die Gruppierung daraufhin.

Schulschließungen nehmen FFF die Demonstranten

Noch schlimmer ergeht es „Fridays for Future“ (FFF). Die Bewegung um Greta Thunberg und ihrem deutschen Pendant Luisa Neubauer lebte auf ihren Demonstrationen von einer großen Schülerbeteiligung. Die Aussicht, zumeist ohne Konsequenzen den Unterricht schwänzen zu dürfen und sich dabei zugleich ein gutes Gewissen einreden zu können, hatte im vergangenen Jahr bis zu 1,4 Millionen Schüler auf die Straße gelockt.

Als die Schulen wegen Corona schlossen, war der FFF-Bewegung die Basis genommen. Auch die hohe mediale Beachtung und die zumeist bis an die Grenzen journalistischer Objektivität ausgereizte wohlwollende Berichterstattung mußte dem COVID-19-Thema weichen.

Dabei trommelten die einzelnen Gruppen der Bewegung bereits seit Januar für den fünften weltweiten Klimastreik. Millionen sollten kommen. Bis Kontaktverbote und Ausgangssperren alle Planungen zunichte machten. Keine Demos. Und damit auch keine Berichterstattung in den Medien. Lediglich eine Plakataktion auf der Berliner Reichstagswiese sprang noch heraus.

Wie manche Journalisten diesen Umstand für die selbsternannten Klimaschützer kompensieren, zeigt etwa der Nachrichtensender CNN. Der machte Greta Thunberg, die sich autodidaktisch ins Klimathema einarbeitete, kurzerhand auch zur Corona-Expertin, indem er die 17jährige per Videoschalte zum Fachgespräch des Themas „Coronavirus: Fakten und Ängste“ einlud.

Geldkreislauf der UN

Ein anderes Mal warnte die Ikone der Klimaschutzbewegung nun vor den Folgen der Coronakrise für Kinder in armen Ländern und spendete dafür großzügig 100.000 Euro an UNICEF. Ein hoher Betrag für eine 17jährige. Doch Geldprobleme hat die junge Schwedin nicht. Denn exakt die gleiche Summe hatte sie zuvor bereits als Preisgeld erhalten, als ihr die dänische Nichtregierungsorganisation „Human Act“ eine Auszeichnung verlieh.

Die sich der Armutsbekämpfung verschriebene und in Kopenhagen ansässige „Human Act Foundation“ wurde von dem gebürtigen Iraner Djaffar Shalchi ins Leben gerufen. Ihr bedeutendstes Projekt nennt sich „Move Humanity“, ein Partnerschaftsprojekt des Netzwerks „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen, kurz UNSDSN.

Mit anderen Worten: Eine aus Spenden finanzierte NGO, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet, zeichnet eine Jugendliche mit einem Preisgeld von 100.000 Dollar aus. Diese wiederum spendet unter entsprechender medialer Beachtung den gleichen Betrag an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Resultat: Ein zweimaliger PR-Coup mit ein und derselben Summe.

FFF fordert Finanzhilfen nur für „klimagerechte“ Unternehmen

Für die Bewegung steht zudem die reale Gefahr im Raum, daß die unzähligen für den Klimaschutz vorgesehenen Milliardenbeträge nun dringend für die Rettung der Wirtschaft benötigt werden. Ein sich anbahnender Verteilungskampf um die Staatsknete, der den Klimaschutz-Anhängern nicht gefallen kann.

In Deutschland versucht sich die FFF-Bewegung daher mit der Forderung zu profilieren, nur „klimagerechte“ Unternehmen in der Corona-Krise zu retten. Anders ausgedrückt: Firmen, die sich nicht den Pariser Klimazielen unterordnen, sind selbst schuld und sollen demnach gefälligst pleitegehen.

Unionsfraktion muckt auf

Schützenhilfe erhält die Bewegung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ungeachtet der aus der Corona-Krise entstehenden Lasten für die Wirtschaft stellte sie sich beim Petersberger Klimadialog demonstrativ hinter die nun erneut verschärften Zielvorgaben der EU-Kommission. Demnach sollen die CO2-Emissionen bis 2030 nun um 50 bis 55 Prozent reduziert werden, statt wie bisher geplant um lediglich 40 Prozent.

Sehr zum Mißfallen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die nun erstmals den Versuch unternimmt, den Klimakurs der Kanzlerin auszubremsen. „Eine Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030 um 50 bis 55 Prozent ohne Änderung am bestehenden Lastenverteilungsschlüssel lehnen wir ab“, heißt es in einem Positionspapier der Fraktion, in der diese vor großen Belastungen für Deutschland warnt. Schließlich habe die Koalition vereinbart „darauf zu achten, Belastungen für Beschäftigte und Unternehmen durch Gesetze und andere Regelungen möglichst zu vermeiden.“ Geht es nach dem Willen fanatischer Klimaschützer, dürfte das jedoch nicht für alle gelten.

Mitglieder von „Extinction Rebellion“ während einer Demonstration: Das Coronavirus stiehlt ihnen die Aufmerksamkeit Foto: picture alliance/TT NEWS AGENCY

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