Abzeichen des KSK Foto: picture alliance/dpa
Wegen Rechtsextremismusvorwürfen

Auf Anordnung Kramp-Karrenbauers: KSK-Kompanie aufgelöst

CALW. Die 2. Kompanie des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr ist wegen Rechtsextremismus-Vorwürfen aufgelöst worden. Die von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vor einem Monat angeordnete Maßnahme sei am Donnerstag mit einem Appell in der Kaserne in Calw vollzogen worden, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Einige der Soldaten sollen beim KSK bleiben dürfen, die übrigen werden zu anderen Einheiten versetzt. Kramp-Karrenbauer hatte die Auflösung Ende Juni beschlossen, weil die Einheit sich ihrer Ansicht nach „in Teilen verselbstständigt habe, auch weil es eine toxische Führungskultur einzelner gab“.

Das KSK solle künftig in engerem Austausch mit anderen Teilen des Heeres stehen, was eine teilweise Aufhebung der Eigenständigkeit des Verbandes bedeute. Auch bei der Ausbildung werde es in Zukunft eine engere Verbindung mit dem Heer geben.

Aus dem Ruder gelaufene Abschiedsfeier als Anlaß

Die 2. Kompanie war eine der am längsten bestehenden Einheiten des KSK, aufgestellt schon ein Jahr nach Gründung des Kommandos 1996. Mehrfach soll sie erfolgreich in Einsätzen gewesen sein. Auf dem Balkan haben ihre Soldaten Kriegsverbrecher ergriffen und in Afghanistan Gefechtserfahrung gesammelt.

Ein ehemalige Soldat der Kompanie beklagte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT, man werfe seiner Einheit pauschal fehlende Verfassungstreue und Rechtsextremismus vor  – ohne handfeste Belege. Anlaß sei eine aus dem Ruder gelaufene Abschiedsfeier vor drei Jahren gewesen mit Beteiligung einer „Escort-Dame“. Letztere ist die einzige Belastungszeugin für die Vorwürfe. Aber „diese Männer feiern nun mal nicht wie Sparkassen-Beamte“, sagt der Mann – der nicht bei dieser Feier dabei war.

Restliches KSK steht unter Bewährung

Den Vorwurf, es sei dort der Hitlergruß gezeigt worden, hat die Zeugin später fallengelassen. Der ehemalige Chef der Kompanie hatte einen Strafbefehl akzeptiert, aber nur, damit seine Männer nicht ohne Schutz ihrer Identität vor Gericht aussagen müssen. Genau dieser Zusammenhalt wurde der Einheit nun als „Mauer des Schweigens“ ausgelegt und zum Vorwurf gemacht, sie habe sich in Teilen verselbständigt, was schließlich zu ihrer jetzigen Auflösung führte.

Das restliche KSK steht laut Kramp-Karrenbauer unter Bewährung. „Wenn jetzt noch neue Vorgänge kommen, wenn jetzt noch irgendetwas passiert, dann wird deutlich: Das KSK hat nicht verstanden, daß es selbst in der Hand hat, ob es erhalten bleibt und ein besseres wird. Dann werden weitere Schritte folgen“, sagte die Ministerin vor kurzem der Zeit. (krk/vo)

Abzeichen des KSK Foto: picture alliance/dpa

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