Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte erhebt schwere Vorwürfe gegen Burschenschaften (Symbolbild) Foto: (c) dpa
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Baden-Württemberg

Antisemitismusbeauftragter will Burschenschaften überwachen lassen

STUTTGART. Der Antisemitismus-Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume (CDU), hat eine Überwachung des Dachverbands Deutsche Burschenschaft durch den Verfassungsschutz gefordert. „Ich spreche mich für eine Beobachtung der Deutschen Burschenschaft und ihrer Mitgliedsverbände durch die Verfassungsschutzämter aus. Mitglieder dieser Gruppierungen haben nach meiner Auffassung nichts im Staatsdienst unserer Republik verloren“, sagte er am Mittwoch in seinem Podcast „Verschwörungsfragen“.

Nach Auffassung Blumes sollte es nicht dabei bleiben. Er regte weitergehende Schritte an. „Zu prüfen wären Vereinsverbote und Beschlagnahmungen.“

Der CDU-Politiker äußerte das vor dem Hintergrund eines antisemitischen Vorfalls auf einem Verbindungshaus in Heidelberg. Mitglieder einer Burschenschaft Normannia sollen dort Ende August ein Mitglied einer anderen Korporation wegen dessen jüdischer Vorfahren beleidigt und tätlich angegriffen haben. Die Alt-Herrenschaft der Heidelberger Burschenschaft reagierte umgehend und verkündete die Auflösung ihrer Aktivitas, der studierenden Mitglieder.

Blume wirft Burschenschaften Gewalt gegen Frauen vor

Blume verband seine Forderungen mit scharfen Vorwürfen an die Adresse des Dachverbands Deutsche Burschenschaft. Er stehe bis heute klar in einer rassistischen und antisemitischen Tradition. Burschenschaften, die sich im 19. Jahrhundert bildeten, hätten seitdem „die Mythen der ‘Blutreinheit’ mit Alkohol und Gewalt gegenüber Frauen, Fremden, Schwächeren und Juden verknüpft“.

In seinem rund 15minütigen Podcast widmete sich der Religionswissenschaftler auch der Debatte über Rechtsextreme in der Bundeswehr. „Eine ganze Reihe von Skandalen hat inzwischen unterstrichen, daß dieses Problem tatsächlich besteht.“

Mit Blick auf die Pläne zur Einführung von weiblichen Dienstgraden in den Streitkräften betonte Blume: „Die aktuelle Diskussion, endlich auch weibliche Dienstgrad-Bezeichnungen anzuerkennen, sehe ich mit Sympathie.“ (ag)

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