Der AfD-Mitgründer Bernd Lucke nach dem Abbruch seiner Vorlesung Foto: picture alliance/Markus Scholz/dpa
Abgebrochene Vorlesung nach Tumulten

Universität Hamburg gibt Lucke Mitschuld an Eskalation

HAMBURG. Die Leitung der Universität Hamburg hat dem AfD-Mitgründer Bernd Lucke eine Mitschuld an der Eskalation der Situation während seiner Lehrveranstaltung in der vergangenen Woche gegeben. Der Wirtschaftswissenschaftler sei schriftlich vor der Vorlesung darauf hingewiesen worden, „daß er als Veranstalter die Verantwortung trägt und im Falle von Überfüllung die Veranstaltung abzubrechen hat. Diese Anweisung hat Herr Lucke nicht befolgt, sondern ist vielmehr im Raum verblieben, indem er sich unter die Studierenden seiner Vorlesung gesetzt hat“, teilte die Universitätsleitung mit.

Nachdem linksradikale Störer das Podium besetzt und ihn auch körperlich angegangen hatten, setzte sich der ehemalige AfD-Politiker unter seine Studenten und harrte dort aus. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT hatte er betont, „seine Studenten“ hätten Zivilcourage gegen den Mob gezeigt. Laut Universität habe jedoch zu keiner Zeit Gefahr für die körperliche Unversehrtheit der Anwesenden bestanden.

Hochschule: Können Störungen nicht gewaltsam unterbinden

Nach den Tumulten der vergangenen Woche „sind Anzeigen gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung, Beleidigung, Nötigung und anderer in Frage kommender Delikte gestellt worden“, so die Hochschulleitung. Mit Blick auf die kommende Vorlesung kündigte sie an, ein privater Sicherheitsdienst werde für einen störungsfreien Ablauf sorgen. „So soll sichergestellt werden, daß nur jene Studierenden die Vorlesung besuchen, die sich auch dafür angemeldet haben.“

Zugleich äußerte die Leitung, Störungen mit Gewalt zu unterbinden, „war und ist aus Sicht der Hochschule angesichts des Ausmaßes der Anwesenheit von universitätsfremden Personen mit den Mitteln einer Universität weder zu leisten noch ist eine Gewaltanwendung angemessen“. Lucke hatte nach dem Abbruch der Vorlesung mangelnde Unterstützung beklagt.

Unterdessen beklagte sich der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, daß er nicht an der Universität Hamburg reden dürfe. Der Präsident der Hochschule habe ihm dies ohne weitere Begründung mitgeteilt, berichtete die Welt. Der FDP-Politiker habe sich deswegen bei der Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) beschwert. Lindner will demnach während einer Veranstaltung der Liberalen Hochschulgruppe im November auftreten. (ag)

Der AfD-Mitgründer Bernd Lucke nach dem Abbruch seiner Vorlesung Foto: picture alliance/Markus Scholz/dpa

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