Der Theologe Richard Schröder Foto: picture alliance / dpa
Asylpolitik

Theologe Schröder kritisiert Schlepperarbeit von Seenotrettern

BERLIN. Der Theologe Richard Schröder hat die Haltung der Evangelischen Kirche in der Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Zur unter anderem auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund geäußerten Forderung, Seenotrettung dürfe nicht länger kriminalisiert werden, sagte Schröder der Neuen Zürcher Zeitung: „Das ist propagandistisch sehr effektiv.“ Er kenne aber niemanden, der Seenotrettung für kriminell halte. „Da wird gegen jemanden gekämpft, den es gar nicht gibt.“

Das Problem mit den Seenotrettern im Mittelmeer sei, daß die Boote europäische Häfen ansteuerten und verlangten, daß alle Menschen aufgenommen werden. „Rettungsboote, die nach Europa fahren, liefern de facto die Dienstleistungen, für die Migranten Schlepper teuer bezahlen: eine sichere Fahrt übers Mittelmeer und illegale Einwanderung.“

Kirche kann barmherzig sein, der Staat nicht

Der frühere Richter am brandenburgischen Verfassungsgerichtshof lieferte dazu auch einen Vergleich. „Stellen Sie sich vor, jemand rettet einen Menschen und setzt ihn, ohne vorher zu fragen, vor Ihrem Haus ab.“ Dann würde er sagen: „Den mußt du jetzt übernehmen.“ Genau das täten die Seenotretter. „Das hat Frau Rackete getan, als sie meinte, es jucke sie nicht, was Salvini sage, sie fahre jetzt in diesen Hafen rein.“

Die Kirche könne barmherzig sein, der Staat jedoch nicht, stellte der emeritierte Professor der Berliner Humboldt-Universität klar. „Er muß nach dem Maßstab der Gerechtigkeit handeln, auch wenn die Ergebnisse die Barmherzigen verstören.“ Die Regel müsse lauten: „Bleiben darf, wer anerkannte Fluchtgründe vorweisen kann. Wenn das nicht der Fall ist, kann deine Flucht noch so traumatisch gewesen sein, du mußt zurück.“

Bereits 2016 hatte Schröder die deutsche Asylpolitik kritisiert. Es gebe unter Einwanderern den Spruch, die Deutschen könne man leicht betrügen, sagte er der Welt. So etwas sei Gift für das Ansehen des Rechtsstaats. „Hilfsbereitschaft darf nicht als Schwäche mißdeutet werden. Güte muß sich deshalb mit Strenge paaren, sonst machen wir uns zum Affen“, forderte der Theologe. (tb)

Der Theologe Richard Schröder Foto: picture alliance / dpa

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