„Alan Kurdi“

Seehofer: Deutschland nimmt bis zu 40 Bootsflüchtlinge auf

BERLIN. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat angekündigt, Deutschland werde mehrere Dutzend Einwanderer von Flüchtlingsschiffen aufnehmen. Malta hatte sich am Wochenende bereit erklärt, 123 Personen des deutschen Schiffes Alan Kurdiund eines maltesischen Marinebootes an Land gehen zu lassen. Allerdings sollten 94 davon in andere EU-Länder umverteilt werden. „Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, daß wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen“, teilte Seehofer am Sonntag abend mit.

Er lobte die „zügige Ausschiffung“ und forderte, für künftige Fälle „schnell einen tragfähigen und funktionierenden Mechanismus“ zu etablieren. „Daran müssen die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten mit Hochdruck arbeiten.“ Die Alan Kurdi hatte zuvor vergeblich versucht, in einem italienischen Hafen anlegen zu dürfen. Das von der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Eye betriebene Schiff erreichte bereits den Hafen von Lampedusa. Dort händigten Beamte der Crew allerdings ein Dekret von Innenminister Matteo Salvini (Lega) aus, mit dem ihr das Anlegen verboten wurde.

„Meine Crew will weiterretten“

„Wir sind freudig überrascht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler nun der Nachrichtenagentur dpa. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kündigte er an, weitere Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aufzunehmen: „Es geht weiter. Wir fahren die Alan Kurdi direkt zurück ins Einsatzgebiet. Meine Crew will weiterretten.“

Zuvor hatte sich das italienische Segelschiff Alexüber ein Verbot Salvinis hinweggesetzt und im Hafen von Lampedusa ungelegt. Die Besatzung hatte einen medizinischen Notstand auf dem Boot ausgerufen. Der Lega-Chef bezeichnete die Crew als „Schakale“ und warf ihnen vor, Menschenschmugglern zu helfen.

Vor rund anderthalb Wochen hatte der Fall um das deutsche Flüchtlingsschiff Sea-Watch 3 zu diplomatischen Verhärtungen zwischen Deutschland und Italien geführt. Während mehrere führende deutsche Politiker das Vorgehen der Sea-Watch gelobt hatten, kritisierten Salvini und seine Partei die Kapitänin Carola Rackete und die Einmischung in inneritalienische Angelegenheiten. (ls)

„Alan Kurdi“ in Malta: „Im Geiste der europäischen Solidarität“ Foto: picture alliance/Xinhua

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