Auszeichnung mit Fulbright-Preis

Merkel wirbt für multilaterale Weltordnung

BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor wachsendem Nationalismus in Deutschland, Europa und der Welt gewarnt. Angesichts dieser Gefahr rief sie zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit auf. „Wir gewärtigen – das gehört zur Analyse der heutigen Zeit – in vielen Ländern, auch bei uns in Deutschland, Populismus und ausgrenzenden Nationalismus“, sagte Merkel anläßlich ihrer Auszeichnung mit dem Fulbright-Preis für internationale Verständigung.

„Wir stellen fest, daß das Denken in nationalen Einflußsphären zunimmt und damit auch völkerrechtliche oder menschenrechtliche Grundsätze zur Disposition gestellt werden. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen.“

Deutschland geht es nur gut, wenn es Europa gut geht

Merkel erinnerte daran, was einst zur Gründung der Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation und anderer internationaler Institutionen führte: „Das waren die Lehren aus den Schrecken des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und des überbordenden Nationalismus. Miteinander zu handeln, der Multilateralismus – das war die Antwort auf die Schrecknisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das gilt, jedenfalls für mich, uneingeschränkt bis heute.“ Klimawandel, Kriege und Krisen seien von Menschen verursacht. Deshalb müsse man auch alles Menschenmögliche unternehmen, um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Globale Notwendigkeiten und nationale Interessen müßten dabei keineswegs im Widerspruch zueinander stehen, gab die Kanzlerin zu bedenken. „Im Gegenteil: Sich für das globale Gemeinwohl einzusetzen, hat nach meiner festen Überzeugung auch positive Rückwirkungen auf das nationale Gemeinwohl. Patriotismus heißt für mich, die eigenen Interessen immer auch zusammen mit den Interessen anderer zu denken. Deshalb werde ich nicht müde, immer wieder auch für eine Stärkung der multilateralen, werte- und regelgebundenen Weltordnung zu werben.“

Auch Europa sei sozusagen ein multilaterales Projekt. Und Deutschland gehe es auf Dauer nur gut, wenn es auch Europa gutgehe. Sie überzeugt davon, „daß die Idee der europäischen Integration die beste Idee ist, die wir je auf unserem Kontinent hatten“. (krk)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Verleihung des Fulbright-Preises Foto: picture alliance / AA

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