Moslemin beim Integrationskurs Foto: dpa
Zwischenbericht

Integrationskurse: Einwanderer sind immer weniger gebildet

BERLIN. Die Zahl der nicht-alphabetisierten Einwanderer ist einer Untersuchung zufolge gewachsen. Fast jeder Dritte, der einen Integrationskurs besucht, weist bei Unterrichtsbeginn weder Lese- noch Schreibkenntnisse auf, sagte ein Forscher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge laut Welt am Dienstag bei der Präsentation eines Zwischenberichts zur Auswertung von Integrationskursen.

Diese Entwicklung sei darauf zurückzuführen, daß vor zwei Jahren noch „deutlich mehr hoch qualifizierte Zuwanderer“ die Kurse besucht hätten. Zudem hätten die Teilnehmer damals auch ein höheres Sprachniveau erreicht. 2017 kamen 23 Prozent von ihnen auf die Stufe B1, im August dieses Jahres noch 14 Prozent. Auf diesem Niveau können die wichtigsten Punkte bei alltäglichen Unterhaltungen wie über Arbeit, Schule oder Freizeit herausgefiltert und kurze, einfache aber zusammenhängende Sätze dazu gebildet werden.

In dem Zwischenbericht listen die Forscher die Bildung von Einwanderern der größten Herkunftsländer auf, die einen Integrationskurs besucht haben. Demnach sind 34 Prozent der Afghanen unbeschult. Weitere 27 Prozent von ihnen besuchten eine Primarschule.

Ähnlich sieht es bei Eritreern und Somaliern aus: 23 Prozent können nicht lesen und schreiben, 41 Prozent besuchten lediglich eine Grundschule. Auch unter den Irakern war jeder fünfte nicht in der Schule. 34 Prozent wiesen eine Bildung auf Primarschulniveau auf.

Großer Unterschied zwischen Männern und Frauen

Einen großen Unterschied gibt es laut den Studienautoren hinsichtlich der Geschlechter. „Frauen bringen im Durchschnitt ein niedrigeres schulisches und berufliches Bildungsniveau mit“, erklärte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anna Tissot. Deshalb müßten Kinderbetreuungsmöglichkeiten geschaffen und um die Akzeptanz dafür geworben werden.

Die Leiterin des zuständigen Forschungsbereichs „Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt“, Nina Rother, verdeutlichte: „Zentral ist zunächst, ein Bewußtsein für diejenigen Gruppen zu entwickeln, die besondere Problemlagen aufweisen.“ Das seien Frauen mit kleinen Kindern, Einwanderer mit Traumata und Personen mit multiplen Problemlagen.

Außerdem müßten die Lehrer vor allem für Alphabetisierungskurse besser ausgebildet werden. Letztlich gelte es, das System von Integrationsangeboten enger zu verzahnen und die Einwanderer besser darüber zu informieren. (ls)

Moslemin beim Integrationskurs Foto: dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen

aktuelles