Die Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete Foto: picture alliance / Photoshot
Flüchtlingsorganisation Sea-Watch

Carola Rackete: Europa soll alle Migranten aus Libyen aufnehmen

BERLIN. Die Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete hat gefordert, alle Migranten aus libyschen Flüchtlingslagern nach Europa zu holen. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land! Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen. Ihnen müssen wir sofort helfen bei einer sicheren Überfahrt nach Europa“, sagte sie der Bild-Zeitung.

Rackete beklagte, in den libyschen Flüchtlingslagern herrschten „KZ-ähnliche Zustände“. Zugleich betonte sie, es gebe kein Aufnahme-Limit für Europa. „Asyl kennt keine Grenze!“ Deutschland und andere europäische Staaten hätten eine historische Verantwortung für Afrika wegen der Kolonialzeit. Europa beute den schwarzen Kontinent noch immer aus.

„Zusammenbruch des Klimasystems sorgt für Flüchtlinge“

Rackete warnte, aufgrund des Klimawandels würden sich in Zukunft noch mehr Afrikaner auf den Weg nach Europa machen. „Der Zusammenbruch des Klimasystems sorgt für Klima-Flüchtlinge, die wir natürlich aufnehmen müssen. Es wird in einigen Ländern Afrikas, verursacht durch industriereiche Länder in Europa, die Nahrungsgrundlage zerstört.“ Es sei nun der Punkt erreicht, an dem die Verantwortung für diese Entwicklung übernommen werden müsse.

Zu ihrer kurzzeitigen Festnahme sagte sie: „Daß jemand verhaftet wird, weil Menschen gerettet werden – das geht einfach nicht.“

Lindner will Gerettete nach Afrika zurückbringen lassen

Ende Juni war Rackete auf Lampedusa verhaftet worden, nachdem sie über 40 Migranten illegal in den Hafen gebracht hatte. Derzeit wartet sie an einem unbekannten Ort auf den Fortgang des Verfahrens.

In der Debatte um die Migration nach Europa forderte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, aus Seenot gerettete Migranten an den Ausgangspunkt ihrer Reise zurückzubringen. Zudem sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe, unter den Asylbewerbern befänden sich auch viele nicht verfolgte Wirtschaftsmigranten ohne Bleibeperspektive in Deutschland.

Zuvor hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein „Bündnis der Hilfsbereiten für einen verbindlichen Verteilungsmechanismus“ angeregt. Die Bundesrepublik sei bereit, immer ein festes Flüchtlingskontingent zu übernehmen, betonte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. (ag)

Die Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete Foto: picture alliance / Photoshot

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