Traditioneller Adventskalender

Die Post beschenkt alle Bundestagsabgeordneten – fast alle

Weihnachten: Zeit der Besinnlichkeit; Zeit auch, an andere zu denken; Zeit, ein bißchen Gutes zu tun, vielleicht mal mit einer kleinen freundlichen Geste jene zu beschenken, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Politiker zum Beispiel. Dachte sich offenbar auch die Deutsche Post, die längst keine spießig-miefige Briefbeförderungs-Behörde mehr ist, sondern ein Dax-notierter, international erfolgreicher Logistikkonzern, was man schon daran erkennt, daß sie jetzt als „Group“ firmiert.

Die Post also, an der Vater (oder Mutter!) Staat noch mit annähernd 21 Prozent größter Einzelanteilseigner ist, bescherte die Damen und Herren Abgeordneten des Deutschen Bundestages (Einkommen jeweils etwas mehr als 9.500 Euro pro Monat – kein zusätzliches Weihnachtsgeld) auch in diesem Jahr wieder mit einem gelben Adventskalender, hinter dessen 24 Türchen sich je eine leckere Lindt-Weihnachtskugel befindet.

Alle Abgeordneten? Nein! Wie das Christkind, so ist auch die Post um Differenzierung bemüht. Und weil Knecht Ruprecht nur die artigen Kinder beschenkt und für die garstigen oder die, die kein Gedicht aufsagen konnten, die Rute aus dem Sack zieht, gehen 94 Mitglieder des Hohen Hauses in der Hauptstadt leer aus: die Abgeordneten der AfD, sprich der größten Oppositionsfraktion und die beiden fraktionslosen Ex-AfDler.

Die Vorteile der Privatisierung

Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT bei der Pressestelle der Post, wie das denn begründet wird, und ob nicht möglicherweise – angesichts von noch gut einem Fünftel Anteilen an ihrem Unternehmen in den Händen der Steuerzahler – die Post zu etwas mehr Neutralität verpflichtet sei? Also: entweder Lindt für alle oder für keinen?

Die Antwort aus Bonn erfolgt prompt, fällt aber doch recht pauschal aus: „Die Deutsche Post DHL Group verschickt seit vielen Jahren traditionell als Gruß zur Vorweihnachtszeit einen Adventskalender an ausgewählte Kunden sowie Stakeholder aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Als Privatunternehmen sind wir dabei frei in der Auswahl unserer Adressaten“, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Ja, ja, die Vorteile der Privatisierung … Vielleicht werden sie sich auch die Mitglieder der Linksfraktion, die freilich vom vorweihnachtlichen Geschenksegen profitieren dürfen, auf der Zunge zergehen lassen wie eine zartschmelzende Lindor-Cremefüllung.

Nicht schwarz ärgern oder grün vor Neid werden

Denn eigentlich fordern die Dunkelroten laut ihrem Wahlprogramm ja, den gelben Dienstleister wieder in die öffentliche Hand und in „gesellschaftliche Eigentumsformen zu überführen“. (Wobei es dann zum Fest der Liebe künftig wohl nichts mehr aus einer Schweizer Confiserie, sondern nur eine Jahresendfigur vom VEB Schokokombinat geben könnte).

Doch auch die, die heuer leer ausgingen, können von den Vorzügen der freien Marktwirtschaft in vollem Umfang profitieren. Indem sie sich nicht schwarz ärgern oder grün vor Neid werden, sondern vom eigenen Geld – zum Beispiel – einen lila Weihnachtsmann kaufen und damit jemandem eine Freude machen. Verschicken kann man den ja zur Not auch per Hermes.

Adventskalender der Post für Bundestagsabgeorndete Symbolbild: picture alliance/imageBROKER / Pixabay / JF-Montage

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