„Der Verein tut sich keinen Gefallen“

AfD wirft SV Darmstadt 98 Politisierung und Spaltung der Fans vor

WIESBADEN. Die AfD Hessen hat dem SV Darmstadt 98 vorgeworfen, seine Anhängerschaft zu politisieren und zu spalten. Hintergrund ist eine Aufforderung des Zweitligisten der Fußball-Bundesliga an AfD-Anhänger, künftig den Verein nicht mehr zu unterstützen.

„Werden Fußballvereine in Zukunft öffentliche Wahlempfehlungen für bestimmte Parteien abgeben? Das ist doch verrückt“, kritisierte der Vorsitzende der Hessischen AfD, Robert Lambrou, gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. „Wenn man dieses Verhalten mal in letzter Konsequenz zu Ende denkt, erkennt man, auf was für einem veritablen Holzweg sich da einige wenige hessische Fußballfunktionäre begeben haben.“

„Fans schätzen politische Bevormundung durch Dritte überhaupt nicht“

Selbstverständlich hätten die Fans und Mitglieder des SV Darmstadt 98 unterschiedliche politische Ansichten, ergänzte Lambrou. Dies werde sich auch nicht ändern. „Ich bin mir sicher, daß die meisten Fußballfans solch eine politische Bevormundung durch Dritte überhaupt nicht schätzen.“

Viel mehr entstehe der Zusammenhaltdurch die Liebe und die Leidenschaft für den Verein und seine Mannschaften, sagte der AfD-Politiker. „Betont man als Vereinsführung das Trennende, steht man am Ende vor einem Scherbenhaufen.“

SV Darmstadt bekräftigt AfD-Kritik

In einem Facebook-Eintrag hatte der Fußball-Club dem Kreisverband der AfD Darmstadt geschrieben: „Da die Positionen, für die Ihr einsteht, nicht in Einklang mit den Werten zu bringen sind, die wir verkörpern, solltet Ihr Eure Anhängerschaft dringend überdenken. Wir wollen Menschen mit solchem Gedankengut nicht in unseren Fanblöcken haben.“ Gegenüber der JF bekräftigte der Verein am Mittwoch die Aussage. Der Eintrag spreche für sich, „darüber hinaus haben wir dazu derzeit nichts hinzuzufügen“, stellte SV-Sprecher Jan Bergholz klar.

Lambrou wies die Vorwürfe als „absurdes Zerrbild der Realität“ zurück. Die AfD sei eine demokratische Partei und vertrete das berechtigte Interesse Millionen Bürger. Bereits im Dezember hatte der Präsident des hessischen Erstligisten Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, in einem Interview mit der FAZ klargestellt, er wolle keine AfD-Anhänger im Verein haben. „Es gibt für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben“, sagte er dem Hessischen Rundfunk.

Sportvereine seien kein Ort für parteipolitische Bekenntnisse

„Der SV Darmstadt 98 tut sich keinen Gefallen, wenn er auf den Spuren von Eintracht Frankfurt wandelt. Sport sollte nicht für politische Zwecke mißbraucht werden“, sagte Ko-Landessprecher Klaus Herrmann den Fußball-Club der JF. „Beim Besuch eines Stadions sollte nicht die politische Überzeugung Bestandteil der Eintrittskarte werden. Und auch die Unterstützung einer Mannschaft darf nicht von einer politischen Meinung abhängig sein.“

Sportvereine seien kein Ort für parteipolitische Bekenntnisse und Stadien kein Ort für politische Auseinandersetzungen. „Entsprechend empfinde ich es als sehr befremdlich, wenn AfD Wähler vom SV Darmstadt 98 öffentlich aufgefordert werden, dem Verein fernzubleiben. (ls)

Gegendarstellung des SV Darmstadt 1898 e.V. zum Beitrag „AfD wirft SV Darmstadt 98 Politisierung und Spaltung der Fans vor“ vom 16.08.2018

Darmstadt-Fans am Freitag auf St. Pauli: AfD-Anhänger unerwünschtFoto: picture alliance/nordphoto

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