„Antänzer“

Berlin: Zahl der Opfer sexueller Attacken steigt

BERLIN. In Berlin sind während des Karnevals der Kulturen erheblich mehr Frauen sexuell belästigt worden als bislang bekannt. Bis zum Dienstag nachmittag hätten sieben Frauen Strafanzeige wegen sexueller Nötigung gestellt, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf der JUNGEN FREIHEIT.

Sie seien aus einer Gruppe von südländisch aussehenden Männern an den Po und in den Schritt gefaßt worden. Auch seien sie massiv von hinten umarmt worden. Die Frauen hätten sich bedrängt und bedroht gefühlt und seien nicht aus dem Kreis der Grabscher herausgekommen. Erst durch das Eingreifen weiterer Gäste des Straßenfestes hätten sie sich aus der Situation befreien können.

Zuvor war bereits der Fall zweier junger Frauen bekanntgeworden, die am Sonnabend von etwa zehn Männern und männlichen Jugendlichen aggressiv „angetanzt“, bedrängt, begrapscht und bestohlen worden waren. Auch diese beiden Opfer hatten versucht, aus der Gruppe der Grapscher zu entfliehen, wurden von den Tätern aber immer wieder zurückgezogen. Alarmierte Polizisten nahmen daraufhin einen 14jährigen und zwei 17 Jahre alte Jugendliche fest.

Intensivtäter aus Nordafrika

Alle drei Tatverdächtigen sind der Polizei als Mehrfachtäter bekannt. Die beiden 17jährigen seien türkischer Herkunft, die Staatsangehörigkeit des 14jährigen Verdächtigen sei unbekannt. Zudem habe die Polizei am Wochenende einen 40 Jahre alten Mann türkischer Herkunft festgenommen, der einer Frau an den Po gefaßt haben soll.

Laut Neuendorf seien bislang vier weiter Fälle sogenannter „Antänzer“ bekannt. Hier sei es aber laut Opfern nicht zu sexuellen Nötigungen gekommen. Die Attacken seien darauf ausgerichtet gewesen, den Opfern Wertgegenstände zu entwenden. Der Polizei sei es gelungen, sieben Tatverdächtige zu ermitteln. Alle seien bereits als Intensivtäter bekannt. Drei von ihnen stammten aus Tunesien, zwei aus Marokko und je einer aus Libyen und Algerien. Gegen alle sei Haftbefehl erlassen worden. „Das ist auch ein Erfolg unserer Ermittlungsgruppe ‘Antänzer’, die wir Anfang April ins Leben gerufen haben“, erläuterte Neuendorf.

Es sei nicht auszuschließen, daß sich in den kommenden Tagen noch weitere Frauen bei der Polizei meldeten und die Zahl der Opfer sexueller Belästigungen noch steige, sagte der Polizeisprecher. Es gebe eine erhöhte Aufmerksamkeit für solche Fälle und damit verbunden auch eine höhere Anzeigebereitschaft. Es sei aber nicht das erste Mal gewesen, daß es die Polizei mit solchen sexuellen Gruppenbelästigungen zu tun habe. Auch in der jüngeren Vergangenheit habe es ähnliche Fälle gegeben, zum Beispiel in der Silvesternacht vor dem Brandenburger Tor.

Henkel lobt Zivilcourage

Neben der Polizei rief am Dienstag auch Innensenator Frank Henkel (CDU) Frauen, die Opfer sexueller Attacken geworden seien, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. „Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell. Zum Glück hat es mutige Personen gegeben, die Zivilcourage bewiesen haben. In mehreren Fällen konnte den Opfern durch dieses beherzte Einschreiten geholfen werden“, sagte Henkel.

„Ich danke auch der Polizei, die präsent war und entschlossen gehandelt hat. Dadurch konnte sie mehrere Tatverdächtige festnehmen. Sollte es weitere Vorfälle gegeben haben, appelliere ich dringend an die Betroffenen, sich bei der Polizei zu melden.“

Zuvor hatte der Spitzenkandidaten der AfD zur Wahl des Abgeordnetenhauses, Georg Pazderski, ein härteres Vorgehen gegen ausländische Sextäter gefordert. Wenn möglich, sollten diese abgeschoben werden. „Sie haben ihr Gastrecht mißbraucht“, sagte Pazderski der JF.

Der Staat müsse endlich gegen das frauenverachtende und kriminelle Verhalten mit ganzer gesetzlicher Härte vorgehen. „Es muß Schluß sein mit dem Verniedlichen und Herunterspielen solcher Gewalttaten.“ (krk)

Tänzerinnen beim Karneval der Kulturen in Berlin: Zahl der Opfer sexueller Belästigungen steigt Foto: picture alliance/dpa

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