Mitarbeiter einer Tafel in Nordrhein-Westfalen geben Lebensmittel an einen Asylsuchenden aus Foto: picture alliance/dpa
Hilfsorganisation

Tafeln müssen wegen Asylkrise Aufnahmestopp verhängen

BERLIN. Die Hilfsorganisation Die Tafel stößt wegen der Asylkrise bei der Lebensmittelverteilung immer häufiger an ihre Grenzen. Durch den starken Anstieg an Empfängern komme es vor, daß Bedürftige wieder weggeschickt werden müßten, bestätigte die Organisation auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT.

Viele Tafeln in Deutschland müßten derzeit einen erheblichen Zulauf bewältigen. Als letztes Mittel bliebe dann manchmal nur, einen Aufnahmestopp zu verhängen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Vor allem in Städten und Regionen, auf die durch den Königssteiner Schlüssel viele Asylsuchende entfielen, stünden die Tafeln vor Problemen.

Unterstützung erfolgt nicht nach Herkunft

Gleiches gelte für strukturschwache und dünn besiedelte Gebiete, wo durch die Asylkrise auf einmal eine große Zahl an Flüchtlingen untergebracht würden, beispielsweise in Erstaufnahmeeinrichtungen oder ehemaligen Kasernen der Bundeswehr. Während die örtliche Tafel dort bisher nur eine kleine Zahl von Menschen mitversorgt hätte, kämen nun auf einen Schlag bis zu 300 zusätzliche Empfänger hinzu. Dies sei schlicht nicht zu leisten. Da eine Unterstützung von Bedürftigen aber nicht nach Herkunft oder Nationalität erfolge, könne es auch vorkommen, daß deutsche Obdachlose oder Geringverdiener das Nachsehen hätten.

Der Bundesverband „Deutsche Tafel e. V.“ umfaßt deutschlandweite etwa 900 lokale Tafeln, die Lebensmittel kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag an „sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen“ ausgeben. Insgesamt existieren etwa 2.100 Tafelläden und Ausgabestellen, bei denen sich rund 60.000 ehrenamtliche Helfer engagieren.

„Erste Verteilungskämpfe“

Schirmherr des Verbandes ist das Bundesfamilienministerium. Die Lebensmittel erhalten die Tafel von Supermärkten, Restaurants oder aus anderen Spenden. Akutelle werden laut dem Verband über 200.000 Asylsuchende durch die Tafeln unterstützt.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Medien von den Versorgungsproblemen der Tafeln aufgrund der Asylwelle geschrieben. Erst am Dienstag berichtete das ZDF von dem Fall einer Tafel, bei der wegen der steigenden Flüchtlingszahlen kleinere Rationen ausgegeben würden.

In einem Artikel der Nachrichtenagentur dpa hieß es: „Das Treppenhaus der Mechernicher Tafel ist überfüllt mit wartenden Menschen aus Afrika, Syrien und dem Westbalkan. Erste Verteilungskämpfe zwischen den Neuankömmlingen und den Stammkunden zeichnen sich ab, wenngleich oft im Stillen.“

Helfer stehen häufig vor Kommunikationsproblemen

Ein weiteres Problem stelle laut der Organisation häufig die Kommunikation dar. Viele der ehrenamtlichen Helfer seien älter, sprächen kein Arabisch und auch nur schlecht Englisch. Dies führe immer wieder zu Verständigungsproblemen mit den Asylsuchenden. Es gebe aber auch Beispiele, wo Flüchtlinge, die schon länger in Deutschland lebten, als Helfer einsprängen und vermittelten.

Fälle, in denen es wegen kultureller oder religiöser Gründe zu Konflikten gekommen sei, seien der Tafel dagegen nicht bekannt. Berichte, wonach moslemische Flüchtlinge sich weigerten, Lebensmitteln von Frauen entgegenzunehmen oder verlangten, daß kein Produkte mit Schweinefleisch ausgegeben werden sollten, seien Gerüchte, die vor allem von Rechten gestreut würden.

Der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Landesverbands, Wolfgang Weilerswist, erzählte dagegen dpa von respektlosem Verhalten junger männlicher Asylbewerber. Einzelne moslemische Männer wollten in den Tafel-Einrichtungen von Frauen keine Lebensmittel entgegennehmen. (krk)

Mitarbeiter einer Tafel in Nordrhein-Westfalen geben Lebensmittel an einen Asylsuchenden aus Foto: picture alliance/dpa

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