Berliner Kreis sorgt sich um CDU-Stammwähler

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Christean Wagner: Der hessische CDU-Fraktionschef zählt zu den Initiatoren des Berliner Kreises Foto: christean-wagner.de

BERLIN. Der Berliner Kreis in der Union ist am Freitag erstmals mit einem Positionspapier an die Öffentlichkeit getreten. Der Zusammenschluß von CDU-Politikern, die sich für einen konservativeren Kurs ihrer Partei einsetzen, will vor allem frühere Stammwähler zurückgewinnen.

Hauptziel des Kreises ist nach Worten des hessischen CDU-Fraktionschefs Christean Wagner den Erfolg der Union bei den nächsten Wahlen sicherzustellen. Das Netzwerk, zu dem derzeit 20 bis 30 Bundes- und Landtagsabgeordnete von CDU und CSU zählen, wolle keine Personaldiskussion und auch kein neues Grundsatzprogramm. „Wir wollen die Stammwähler ansprechen und die zurückgewinnen, die zu den Nichtwählern abgewandert sind“, sagte Wagner: „Stammkundschaft geht vor Laufkundschaft.“ Die Union dürfe ihre Überzeugungen nicht nach den aktuellen Umfragen ausrichten.

„Wir sind keine Selbsthilfegruppe für enttäuschte Konservative“

Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach (CDU), appellierte an seine Partei, keine Angst vor inhaltlichen Diskussionen zu haben „Wir sind keine Selbsthilfegruppe für enttäuschte Konservative, sondern wie wollen Einfluß nehmen und uns einmischen“, sagte er. Man verstehe sich nicht nur als Zusammenschluß konservativer Mitglieder, sondern setze sich dafür ein, daß die drei Wurzeln der Union, die konservative, die christsoziale und die liberale, gleichberechtigt zur Geltung kommen.

Der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß (CDU) warnte angesichts der Diskussion um die Verluste der Partei in den Großstädten davor, allein zu versuchen, neue Wählerschichten zu erschließen. Man müsse sich zunächst wieder auf den Markenkern konzentrieren, forderte er.

Berliner CDU distanziert sich von Berliner Kreis

Inhaltliche Akzente will der Kreis, der sich eigentlich bereits Ende August mit einem Positionspapier zu Wort melden wollte, unter anderem in der Energie-, der Bildungs- und der Familienpolitik setzen.

Unterdessen distanzierte sich die Berliner CDU von dem Berliner Kreis. „Um es klar zu sagen: Die Gruppe nennt sich ‘Berliner Kreis’, hat aber mit der Berliner CDU nichts zu tun. Die Berliner CDU steht für eine sozialorientierte und liberale Großstadtpolitik“, sagte der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner der Nachrichtenagentur dpa. Die Berliner CDU unterstütze den politischen Kurs der Bundesvorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel. (ms/krk)

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