Studie: Jugendgewalt in Deutschland ist rückläufig

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Christian Pfeiffer (links) und Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Vorstellung der Studie Foto: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

BERLIN. Die Jugendgewalt in Deutschland ist offenbar rückläufig. Das geht aus einer am Dienstag von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer in Berlin vorgestellten Studie hervor. Beunruhigend sei allerdings die Verbreitung ausländerfeindlicher Einstellungen.

Demnach ist die Jugendgewalt in den untersuchten Städten und Regionen seit 1998 entgegen der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung überwiegend leicht gesunken oder konstant geblieben. Ein Anstieg der Jugendgewalt, wie teilweise in den Medien berichtet, könne dagegen nicht bestätigt werden.

Für die Studie („Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“) wurden in den Jahren 2007 und 2008 insgesamt 44.610 Schüler aus 61 repräsentativ ausgewählten Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten befragt.

Erhöhtes Anzeigeverhalten führt zu Anstieg in der Statistik

16,8 Prozent der Schüler, die im Durchschnitt 15 Jahre alt waren, gaben an, in dem Zeitraum mindestens einmal Opfer einer Gewalttat geworden zu sein. Zumeist handelte es sich dabei um Körperverletzungen (11,1 Prozent). 20,9 Prozent der Jugendlichen wurden zudem im Schulalltag schon einmal geschlagen oder getreten.

Die Quote der Jugendlichen, die angaben, im Befragungszeitraum mindestens eine Gewalttat begangen zu haben, lag laut der Studie in den Jahren 2005 bis 2008 zwischen 11,5 und 18,1 Prozent. 1998/99 hatte sie dagegen noch zwischen 17,3 und 24,9 Prozent betragen.

Daß die Jugendgewalt laut der polizeilichen Kriminalstatistik dagegen seit 1998 um 28,4 Prozent zugenommen habe, führten die Wissenschaftler auf ein erhöhtes Anzeigeverhalten der Opfer zurück. Dabei wiesen sie auf das unterschiedliche Anzeigeverhalten bei verschiedenen Täter-Opfer-Konstellationen hin.

<---newpage---> Ausländer haben höheres Risiko vor Gericht zu kommen

Bei der Konstellation deutsches Opfer, deutscher Täter, die laut der Studie in Westdeutschland 36,2 Prozent aller Gewalttaten ausmacht, würden nur 19,6 Prozent der Fälle zur Anzeige gebracht. Handle es sich dagegen um ein deutsches Opfer und einen Täter mit Migrationshintergrund, was der Studie nach ebenfalls auf 36,2 Prozent aller Gewalttaten zutrifft, liege die Anzeigebereitschaft dagegen mit 29,3 Prozent um die Hälfte höher.

„Im Ergebnis wird damit deutlich, daß junge Migranten als Täter ein weit höheres Risiko haben, sich mit ihren Taten vor Gericht verantworten zu müssen als junge Deutsche“, heißt es in einer Zusammenfassung.

Bei den Mehrfachtätern liegen Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 9,4 Prozent an der Spitze, gefolgt von jungen Türken mit 8,3 Prozent. Am Ende der Skala stehen Jugendliche aus Asien mit 2,6 und Deutsche mit 3,3 Prozent.

Die Unterschiede glichen sich aber vollständig aus, so die Wissenschaftler, „wenn man differenzierter vergleicht“ und Jugendliche „unterschiedlicher Herkunft mit denselben familiären, schulischen und sozialen Rahmenbedingungen sowie übereinstimmenden Werteorientierungen einander gegenüber“ stelle.

Sorge über ausländerfeindliche Einstellungen

Mit Sorge sieht Pfeiffer vor allem die ausländerfeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen unter deutschen Jugendlichen. Demnach hätten 29,7 Prozent der Befragten angegeben, in Deutschland gebe es zu viele Ausländer. 14,4 Prozent hätten zudem „in hohem Maß ausländerfeindliche Einstellungen“ offenbart.

Als eindeutig rechtsextrem seien 5,2 Prozent der Jugendlichen einzustufen. Zu diesen Quoten käme jeweils noch ein deutlich höherer Prozentsatz von deutschen Jugendlichen hinzu, der ausgeprägte Sympathien für solche Einstellungen hege.

Der zweite Forschungsbericht der vom Innenministerium finanzierten Studie soll in der nächsten Jahreshälfte vorgestellt werden und unter anderem die Integration junger Zuwanderer behandeln. (krk)

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