Rabehl lehnt Kandidatur für Bundespräsidentenwahl ab

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Bernd Rabehl Foto: JF

BERLIN. Der Soziologe und Publizist Bernd Rabehl hat es abgelehnt, als Kandidat von NPD und DVU für das Amt des Bundespräsidenten anzutreten. Beide Parteien hätten ihn „vor längerer Zeit“ gebeten, er möge sich von ihnen als unabhängiger Bewerber nominieren lassen, teilte Rabehl der JUNGEN FREIHEIT mit.

„Ich hätte als unabhängiger Kandidat auftreten und gewissermaßen den ‘antiimperialistischen Kampf‘ der Studentenrevolte und der außerparlamentarischen Opposition von 1967/68 in Verbindung bringen sollen zur  ‘Selbstbehauptung des deutschen Volkes‘ heute“, erläuterte der ehemalige Mitstreiter von Rudi Dutschke. Es sei ihm jedoch klargeworden, daß er „in diesem Spiel nicht mehr als eine Marionettenrolle hätte einnehmen dürfen“.

Nach Informationen der JF sollte Rabehls Kandidatur ursprünglich am vergangenen Wochenende auf dem Landesparteitag der sächsischen NPD offiziell verkündet werden. Der emeritierte Professor der Berliner Freien Universität gab zu, daß er eine Zeitlang mit dem Gedanken gespielt habe, das Angebot anzunehmen. Eine mögliche Kandidatur habe er als „symbolischen Akt“ verstanden, um deutlich zu machen, daß der moralische Verfall die Politik erreicht habe, sagte Rabehl der JF.

Mit Rassetheorien in die Bedeutungslosigkeit

Daß sich der 70jährige durch eine Kandidatur ins gesellschaftliche Aus gestellt hätte, habe seine Entscheidung nicht beeinflußt. „Ich bin ein unabhängiger Geist. Ich habe keine Parteilichkeit und denke auch nicht daran, alle in der NPD vertretenen Fraktionen zu repräsentieren.“ So halte er die Rassetheorien des stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Jürgen Rieger für völligen Unsinn. Wenn diese weiterhin den Kurs der Partei mitbestimmen würden, werde diese in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Auch die jüngsten Äußerungen des Schweriner NPD-Fraktionschefs Udo Pastörs, der bei einer Veranstaltung Deutschland als „Judenrepublik“ bezeichnet hatte, kritisierte Rabehl auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT. Derartige kalkulierte Provokationen, dazu die undurchsichtigen Richtungskämpfe und ein eigenartiges Finanzgebaren dieser Partei hätten den letzten Ausschlag gegeben, das Angebot abzulehnen.

NPD schweigt zu inhaltlichen Differenzen

Der „Sehnsucht nach den Formeln und Parolen der Vergangenheit“ sowie jeglicher „Diktatur-Folklore“ habe er weder bei den Linken noch bei der Rechten etwas abgewinnen können und wolle damit nicht in Verbindung gebracht werden. „Auch wenn ich formal als ‘unabhängiger‘ Kandidat der genannten Parteien angetreten wäre, wäre es naiv zu glauben, diese Unabhängigkeit ließe sich aufrechterhalten“, stellte Rabehl abschließend fest.

Die NPD teilte auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT mit, ihr ursprünglich vorgesehener Kandidat für die Bundespräsidentenwahl habe „aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgesagt“. Einen neuen Bewerber wolle man auf dem Bundesparteitag im April der Öffentlichkeit vorstellen. (vo/krk)

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