Bundeskanzlerin Merkel kritisiert den Papst

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Papst Benedikt XVI: Das Oberhaupt der Katholiken sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt Fotograph: Ronald Gläser

BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Papst Benedikt XVI. aufgefordert, deutlich zu machen, daß Holocaust-Leugnung für die katholische Kirche nicht akzeptabel ist.

Zwar äußere sie sich prinzipiell nicht zu innerkirchlichen Entscheidungen, dies sei allerdings anders, wenn es sich um Grundsatzfragen handle, sagte die Bundeskanzlerin in Berlin.

„Es geht hier darum, daß von seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, daß es keine Leugnung geben kann und daß es einen positiven Umgang mit dem Judentum geben muß.“ Diese Klarstellungen seien aus ihrer Sicht noch nicht ausreichend erfolgt, sagte Merkel.

„Für Holocaust-Leugner ist keinen Platz in der katholischen Kirche“

Als Protestantin finde sie es allerdings ermutigend, daß auch zahlreiche Katholiken vom Vatikan eine solche Klarstellung forderten.

Der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann hatte gestern die Entscheidung des Vatikans eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocaust genannt und von Rom eine Entschuldigung sowie Konsequenzen verlangt. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx stellte zudem klar, daß es für Holocaust-Leugner keinen Platz in der katholischen Kirche gebe.

Papst Benedikt XVI. steht seit Tagen in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der konservativen Piusbruderschaft aufgehoben hat. Zu diesen gehört auch der britische Bischof Richard Williamson, der in einem Interview die systematische Ermordung der Juden mit Gas durch die Nationalsozialisten bezweifelt hatte.

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