Homosexueller Bischofskandidat fällt bei Wahl durch

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Der Dom in Schleswig Foto: Pixelio/Tempelmeister

SCHLESWIG. Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche bekommt nun doch keinen bekennenden Homosexuellen zum Bischof. Die Synode hat am Sonnabend in Schleswig im ersten Wahlgang Propst Gerhard Ulrich zum Bischof des neuen Sprengels (Kirchenkreis) Schleswig und Holstein gewählt.

Er erhielt 77 von 136 abgegebenen Stimmen, 71 wären zur Wahl erforderlich gewesen. Sein Mitbewerber, der homosexuelle Propst Horst Gorski, unterlag mit 56 Stimmen.

Streit vor der Wahl

Im Vorfeld der Wahlen hatte es um die Positionen Gorskis zu Homosexualität und zur theologischen Bedeutung des Kreuzestodes von Jesus Christus heftigen Streit gegeben. Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens hatte die Synode aufgerufen, Gorski wegen dessen kritischer Haltung zur Sühneopfertheologie nicht zu wählen.

Die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der nordelbischen Kirche warnte ebenfalls vor einer Wahl Gorskis – auch wegen dessen Homosexualität. Laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts diskutierte die Kirchenleitung über Disziplinarmaßnahmen gegen Altbischof Wilckens wegen dessen Äußerungen zur Bischofswahl.

Durch Schauspielerin den Glauben entdeckt

Propst Ulrich erzählte bei seiner Vorstellung vor der Synode im Schleswiger Dom, wie ihn in seiner Kindheit der Kindergottesdienst abgestoßen habe. Zum Glauben sei er als Theaterschüler gekommen, als eine atheistische Schauspielerin Verse aus Psalm 139 rezitiert habe. Beim Zuhören habe er gemerkt, daß die Verheißungen Gottes ihm selbst gälten. In der Kirche heute sieht Ulrich eine „Unkultur der Selbstentwertung“.

Das Klagen über den Bedeutungsverlust kirchlicher Institutionen in der Gesellschaft sei ein „Energiefresser ersten Grades“. Dabei werde das Wort der Kirche auch heute gebraucht. Ulrich warb für eine missionarische Kirche, die weitergebe, was sie empfangen habe.

„200 Jahre alte Selbstverständlichkeiten“

Sein Mitbewerber Gorski hatte in seiner Vorstellungsrede noch einmal zu seinem umstrittenen Satz aus seiner Karfreitagspredigt von 2006 Stellung genommen, in der es hieß: „Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns versöhnt und uns vergibt. Die Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der größten Mißverständnisse der christlichen Geschichte.“

Gorski sagte, er habe damit lediglich „200 Jahre alte Selbstverständlichkeiten“ referiert, die in der Theologie seit der Zeit der Aufklärung diskutiert werden. Ihm sei es nie darum gegangen, an der Substanz des Glaubens etwas zu ändern. Mit einem Seitenhieb auf Altbischof Wilckens sagte Gorski, das Lehramt in der Kirche liege nicht bei den Bischöfen – „weder bei den amtierenden noch bei den pensionierten“, sondern bei der Gemeinschaft der Gläubigen. (idea/JF)

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