DAVOS. US-Präsident Donald Trump hat sich mit Komplikationen auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum (WEF) nach Davos gemacht. Sein Flugzeug, die Airforce One, mußte kurz nach dem Start wegen technischer Probleme umkehren. In der Pressekabine war das Licht ausgefallen. Trumps Sprecherin, Karoline Leavitt, sagte, die Crew habe „ein kleines elektrisches Problem“ festgestellt. Aus Vorsichtsgründen habe diese beschlossen, umzudrehen. Mit einem Ersatzflugzeug setzte die US-Delegation dann den Weg in die Schweiz fort.
Dort kommt auf Trump und die europäischen Staats- und Regierungschefs ein konfrontatives Treffen zu, wie es es wohl noch nie gegeben hat. Heute Nachmittag soll der 79jährige eine mit Spannung erwartete Rede halten. Kurz vor dem Abflug erklärte er: „Das wird eine interessante Reise. Ich habe keine Ahnung, was passieren wird.“
Den Europäern dürfte es ähnlich gehen. Denn vieles wird sich in Davos um das Vorhaben des US-Präsidenten drehen, Grönland zu annektieren. Klar ist: Weder Trump auf der einen noch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzler Friedrich Merz und erst recht nicht Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf der anderen Seite wollen bisher nachgeben. Ausgang des Konflikts: völlig ungewiß.
Trump unterzeichnet in Davos Friedensrat-Charta
Ein anderer Plan Trumps, nämlich in der Schweiz die Charta seines Friedensrates zu unterzeichnen, beschwört den nächsten Konflikt herauf. Ursprünglich gegründet – und von den Vereinten Nationen (UN) auch entsprechend mandatiert –, um den Frieden in Gaza zu stabilisieren, will der Präsident nun viel Größeres. Das Gremium soll, so will es Trump, weltweit agieren. Viele befürchten, er wolle eine Gegenorganisation zur von ihm verabscheuten UN aufbauen. Damit dürften sie nicht falsch liegen.
Vergangene Woche verschickte der US-Präsident Einladungen an 60 Länder, seinem Friedensrat beizutreten. In der beigefügten Charta heißt es, Trump bleibe auf Lebenszeit dessen Vorsitzender – auch nach dem Ende seiner Amtszeit als US-Präsident. Jedes Land, das Mitglied werden will, muß zudem eine Milliarde Dollar bezahlen.
Das schreckt die Europäer auf. Doch sie haben bisher mit einer Ausnahme nicht den Mut, Trump eine Absage zu erteilen. Sie geben sich sprachlos. Merz hat sich bisher nicht festgelegt, obwohl er den Friedensrat und vor allem dessen Charta ablehnen dürfte. Als Macron dem US-Präsidenten einen Korb gab, kündigte dieser Strafzölle auf französischen Wein und Champagner von 200 Prozent an. Auch Merz scheint die Wut Trumps zu fürchten.
Ungarn, Argentinien und Katar folgen Trump
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán erklärte dagegen, sein Land werde beitreten. Ähnlich äußerten sich Argentiniens Präsident Javier Milei und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie Regierungsvertreter aus Vietnam und Katar. Eine Einladung ging auch an Rußlands Präsidenten Wladimir Putin, was die Europäer zusätzlich erzürnt.
Trump argumentiert, die UN habe noch nie einen Krieg beendet, sie schöpfe ihr Potential nicht aus. Nur leere Worte schafften keinen Frieden. Daher sei sein Friedensrat nötig. Im ersten Jahr seiner Amtszeit habe er bereits sieben Kriege beendet.

Aufgeregt zeigte sich nun auch Deutschlands ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock, die für ein Jahr die UN-Generalversammlung leitet. Es gebe mit den Vereinten Nationen bereits „eine internationale Organisation, deren zentrale Aufgabe und Ziel es ist, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren“, sagte sie in Davos der dpa. Die UN-Charta sei auch kein „nice to have“, sondern existentiell für Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Sie warf Trump vor, das „Recht des Stärkeren“ etablieren zu wollen. Die Welt brauche die UN als Selbstschutz.
Es werden spannende Tage in Davos, deren Ausgang vor allem von den Reaktionen der anderen Staatschef auf Donald Trump abhängt. (fh)






